Textilbranche
Katag: Eigenmarkenstrategie für den Mittelstand

Der Einkaufsverbund Katag will den Vertikalen Paroli bieten - Der Facheinzelhandel soll seine "individuelle Duftnote" behalten

DÜSSELDORF. Daniel Terberger, Spross einer der drei Gründerfamilien der Bielefelder Katag AG, traut sich was zu: "Wir wollen die Besten in Deutschland sein", gibt der Vorstandssprecher das Ziel für den Einkaufsverbund vor. Die Aufgabe ist zwiespältig: Einerseits hat die Katag eine günstige Ausgangsbasis, da der textile Einkaufsverbund und System- Dienstleister für gehobene Fachgeschäfte beinahe als einziger seines Metiers überlebt hat. Neben der als Familien-AG firmierenden Katag gibt es in diesem Bereich nur noch die EK-Großeinkauf in Bielefeld, die sich im März mit der Nürnberger Sütegro zusammengetan hat und heute die Nummer zwei der Branche ist. Daneben gibt es laut Ludwig Veltmann, Geschäftsführer des ZGV (Zentralverband Gewerblicher Verbundgruppen) in Berlin, nur noch kleinere Spezialanbieter.

Die Konkurrenzsituation ist demnach überschaubar, doch zeigt das Verschwinden namhafter Wettbewerber, wie schwierig das Geschäft ist. Nachfolgeprobleme und Geschäftsaufgaben im inhabergeführten Textileinzelhandel und der damit verbundene Mitgliederschwund bereiten den Kooperationen Probleme. Laut Siegfried Jacobs, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des BTE (Bundesverband des Deutschen Textileinzelhandels) sank die Zahl der Textilfachhändler von 51 000 (1998) auf 40 000 im Vorjahr.

Diesem bedrohlichen Mitgliederschwund wollte der Düsseldorfer Kaufring entgegenwirken, indem er selbst in den Einzelhandel einstieg, geriet unter anderem dadurch aber ins Aus. Verschwunden sind auch klangvolle Namen wie Sütex. Rheintextil/KMT wird - nach gescheitertem Umstrukturierungsversuch durch einen neuen Eigner - zum Jahresende den Betrieb einstellen.

Die gesamte Textilwirtschaft ist seit Jahren in Moll gestimmt. Konsumflaute und Warenüberangebot machen das Geschäft schwierig. Nach Auskunft des BTE in Köln verzeichnete der Facheinzelhandel seit 1998 - mit Ausnahme von 1999 - einen stetigen Umsatzrückgang. Allein 2003 gingen die Erlöse um 5 % zurück, 2002 waren es sogar 8 %.

Vertikale Anbieter wie Mango oder Zara, die von der Produktion bis zum Verkauf alles selbst machen und die somit sehr schnell auf Modetrends reagieren können, mischen den Markt zusätzlich auf. "Die Vertikalen haben den Verbundgruppen Paroli geboten", bestätigt ZGV-Geschäftsführer Veltmann.

In diesem schwierigen Umfeld konnte sich die 1923 von den Familien Terberger, Berckemeyer und Banning gegründete Katag behaupten. Zwar ging der Umsatz nach vorläufigen Zahlen 2003 um 3 % auf 410 Mill. Euro zurück. Doch stieg er laut Terberger im 1. Quartal um 15 % auf 131 Mill. Euro. Gefestigt hat sich auch die Migliederzahl. Betrieben 1999 etwa 390 Vertragspartner 734 Geschäfte, so sind es heute 400 Partner mit 963 Verkaufsstellen und einem Außenumsatz von 3 Mrd. Euro.

Katag-Mitglieder


Platzhirsche:

Von den 200 größten selbstständigen Textileinzelhändlern in Deutschland hat die Katag 150 unter ihrem Dach. Dem Bielefelder Verbund ist das typische deutsche Fachgeschäft angeschlossen - traditionsreiche Mittelständler wie die Zinser-Gruppe im Süden oder Ramelow im Norden.

Wechsel: Die selbstständige Leffers-Gruppe aus Oldenburg, die sich zunächst zusammen mit der Quelle-Tochter Sinn-Leffers in Hagen dem Karstadt Quelle-Konzern - angeschlossen hatte, wechselte zur Katag, da sie sich hier besser aufgehoben fühle, wie Katag-Chef Terberger berichtet: "Das große Einkaufsvolumen allein garantiert also noch keinen Erfolg."

Ausland: In Österreich konnte Katag die Fussl-Gruppe mit 50 Filialen neu gewinnen.

Prinzipiell könne ein guter Facheinzelhändler auch alleine überleben, ist Hermann Fuchslocher, Geschäftsführer der gleichnamigen Beratungsfirma in Düsseldorf überzeugt. Voraussetzung sei freilich, dass er sich mit seinem Profil gegen die Konkurrenz abgrenze und über eine gute Eigenkapitalbasis verfüge - was heute aber immer seltener der Fall sei. Hier sieht Katag-Chef Terberger eine wichtige Aufgabe seines Verbundes: "Dem Mittelstand mit seiner Systemplattform eine renditestarke Zukunftsperspektive zu geben". So nimmt der Verbund dem Mittelständler viele Arbeiten - Service-Leistungen im Hintergrund - ab, damit der sich auf seine eigentliche Aufgabe, Verkauf und Kundenkontakte, konzentrieren kann. Katag übernimmt den Back-Office-Bereich wie die gesamte Warenbewirtschaftung und die Buchhaltung.

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