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Thai-Fußballer kämpfen um „Tapferkeitsmedaille“

Siggi Held macht sich keine Illusionen. Im Länderspiel gegen Deutschland kämpfen seine Thai-Fußballer in Bangkok nur um die „Tapferkeitsmedaille“.

dpa BANGKOK/THAILAND. Siggi Held macht sich keine Illusionen. Im Länderspiel gegen Deutschland kämpfen seine Thai-Fußballer in Bangkok nur um die "Tapferkeitsmedaille".

Seine bei der Südostasienmeisterschaft in Malaysia gerade kläglich gescheiterte Mannschaft gilt gegen den Vizeweltmeister als hoffnungsloser Außenseiter. Doch die Vorfreude auf Ballack & Co. ist groß: "Bei so einem Spiel, da kocht es schon", sagte Held vor dem ersten Vergleich mit Deutschland im 65 000 Zuschauer fassenden Rajamangala-Nationalstadion.

Die Gastgeber hoffen, dass die riesige Schüssel wenigstens halb gefüllt sein wird. Das wäre schon ein Erfolg, denn normalerweise kommen in Thailand nicht mehr als 10 000 Zuschauer zu einem Länderspiel. Es gibt kaum Sponsoren. "Derzeit haben wir als Nationalteam noch nicht den Stellenwert, den ich mir wünsche", sagte Siegfried Held. "Die Öffentlichkeit ist hier allzu sehr auf die Premier League fixiert." Bei Crystal Palace kickt Helds einziger Europa-Legionär. Doch der 19 Jahre alte Mittelfeldspieler Thiratip ist gegen Deutschland nicht dabei.

Nach einem Engagement als Nationaltrainer Maltas hat sich Held Ende September als vierter Trainer binnen eines Jahres auf das Abenteuer Thailand eingelassen. Die täglichen Unwägbarkeiten erträgt der 62-Jährige, der als Spieler 1966 Vizeweltmeister war, mit Gelassenheit. Zwar sind zwei Wochen gemeinsame Vorbereitung auf ein Länderspiel normal. "Aber das bringt noch nicht den erhofften Effekt. Denn die Spieler sind Halbprofis. Da fehlt immer mal wieder einer kurzfristig, weil er noch irgendwo zusätzliches Geld für seine Familie verdienen muss oder einen wichtigen Termin an der Uni hat", sagte Held. "Wunderdinge kann ich zur Zeit nicht erwarten. Aber die Spieler haben gute individuelle Fähigkeiten."

Nach dem Scheitern in der WM-Qualifikation, das auch mit einem 3:0 gegen die Vereinigten Arabischen Emirate und einem 1:1 gegen Jemen unter Helds Regie nicht mehr verhindert werden konnte, ist alles bereits auf das große Ziel WM 2010 ausgerichtet. Nach dem WM-Aus baut der frühere Dortmunder Stürmer um Torwart Kosin, Abwehrchef Niweat, Mittelfeldmann Thersak und Stürmer Sutee ein Team aus jungen Spielern auf. Die mussten bei der Südostasienmeisterschaft in der vergangenen Woche noch Lehrgeld zahlen. Der Titelverteidiger scheiterte beim Tiger-Cup mit nur einem Sieg erstmals seit 1995 bereits in der Vorrunde. Immerhin glänzte beim 8:0 gegen Osttimur der 23 Jahre alte Stürmer Sarayoot, der in der 63., 65. und 67. Minute traf und damit einen der schnellsten Hattricks der Welt schaffte.

Wie lange Held in Thailand bleibt, ist völlig offen. "Das hängt davon ab, wie sich alles entwickelt und ob wir zusammen passen." Das Länderspiel gegen Deutschland wird auf alle Fälle ein Höhepunkt seiner Zeit als Thai-Trainer bleiben, egal wie es endet.

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