Thailand kämpft nur um Tapferkeitsmedaille
Der unbekannte Vizeweltmeister

Wer, bitte schön, ist Michael Ballack? Eine Frage, die Millionen von Fußballfans weltweit erbosen würde, schließlich ist der Mann Spielmacher des Vizeweltmeisters Deutschland. In Thailand aber haben der Münchner und seine Kollegen einen schweren Stand. "Sie spielen hier kaum eine Rolle", sagt Thailands Trainer Siegfried Held vor dem Länderspiel seines Teams heute (12.30 Uhr, ARD) in Bangkok gegen die Deutschen.

HB BANGKOK. "David Beckham sieht man hier an jeder Straßenecke, und im Fernsehen wirst du mit der Premier League zugeschüttet. Auch die Asienreisen von Brasilien und Real Madrid haben Spuren hinterlassen", erzählt Held.

Für die DFB-Elf geht es also nicht nur darum, die Asienreise nach der Niederlage in Südkorea (1:3) mit einem Sieg zu beschließen. Sondern es geht auch darum, die Thais für den deutschen Fußball zu begeistern. Michael Ballack dürfte allerdings auch nach der heutigen Partie nicht mehr Fans haben - er pausiert. Und mit Spielern wie Marco Engelhardt und Per Mertesacker dürften die Thais wohl noch größere Probleme haben, schon wegen der Ausspache der Namen.

Mit den Fans ist das sowieso so eine Sache: Sie interessieren sich nämlich auch nur bedingt für den thailändischen Fußball. Zum WM-Qualifikationsspiel gegen Jemen (1:1) kamen nur rund tausend Zuschauer ins 65 000 Fans fassende Rajamangala-Nationalstadion. Die Mannschaft hatte die Qualifikation bereits verpasst, die Menschen blieben zu Hause. Die Gastgeber hoffen, dass das Stadion gegen Klinsmanns Team wenigstens halb voll wird.

An eine Sensation glaubt freilich kaum jemand. Auch Held macht sich keine Illusionen. Sein Team kämpfe nur um die "Tapferkeitsmedaille", sagt er. Es gibt kaum Sponsoren. "Derzeit haben wir als Nationalteam noch nicht den Stellenwert, den ich mir wünsche", sagte Held. "Die Öffentlichkeit ist hier allzu sehr auf die Premier League fixiert." Bei Crystal Palace kickt Helds einziger Europa-Legionär. Doch der 19 Jahre alte Mittelfeldspieler Thiratip ist gegen Deutschland nicht dabei. Drei junge Spieler, die noch gar nicht zum Kader des A-Teams gehören, haben eine Einladung zu einem neunmonatigen Probetraining in England beim FC Everton erhalten. Für Held heißt das gar nichts: "Es ist ein offenes Geheimnis, dass asiatische Spieler oft verpflichtet werden, um den Verein in Asien besser vermarkten zu können."

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