Thailand schlägt regionalen Anleihemarkt vor
Asien fürchtet neue Wirtschaftskrise

Bankenkrise in Japan, nachlassende Wirtschaftsdynamik in den USA, labile Aktienmärkte und ein möglicher Krieg im Irak. Über Asien ziehen sich düstere Wolken zusammen.

KUALA LUMPUR. In Asien braut sich die nächste Krise zusammen. Die Besorgnis wächst, dass ein Krieg im Irak, ein neuer Konjunktureinbruch und die anhaltende Talfahrt an den Börsen weltweit die Region in eine neue Finanzkrise stürzen könnten. Deshalb haben zahlreiche Politiker auf dem Asien-Treffen des Weltwirtschaftsforums in Malaysia dafür plädiert, die Kapital- und Warenmärkte Asiens zu stärken, den intraregionalen Handel auszubauen und eigene Finanzierungs- und Kontrollinstrumente zu schaffen.



Südostasien will Synergien stärker bündeln

Insbesondere Malaysias Ministerpräsident Mohamad Mahathir, wortgewaltiger Kritiker der US-Irak-Politik und des westlichen Wirtschaftsmodells, rief die Nachbarstaaten dazu auf, "asiatische Lösungen für asiatische Probleme" zu entwickeln. Asien müsse sich "gegen jene wehren, die das Weltwirtschafts- und Finanzsystem durch globale Institutionen wie die Welthandelsorganisation gierig ausbeuten," wetterte Mahathir.

Abkoppeln von den USA

Angesichts des drohenden Irak-Krieges bricht in Asien Nervosität aus. Etliche Länder versuchen, sich strategisch von den USA abzukoppeln. Sie fürchten, dass die Folgen einer militärischen Intervention - höhere Ölpreise, sinkende Verbrauchernachfrage und schlechterer Zugang zu Kapitalmärkten - den Appetit auf asiatische Waren in Amerika, Japan und Europa nachhaltig stören werden. "Dieser Krieg wird alle Wachstumsaussichten und alle Zukunftspläne zunichte machen, vor allem in Asien," warnte die malaysische Wirtschaftsministerin Rafidah Aziz. Singapurs Regierungschef Goh Chok Tong befürchtet eine Weltrezession, sollte der Irak-Krieg den Ölpreis um mehr als 5 US-$ je Barrel verteuern.

Wachstum von 5 Prozent erwartet

Dabei haben sich die von der asiatischen Finanzkrise 1997/98 herb durchgeschüttelten Nationen gerade einigermaßen berappelt und können nach Prognose der Asiatischen Entwicklungsbank in diesem Jahr wieder mit einem Wachstum von im Schnitt 5 % rechnen. Selbst wenn sich Asien bislang noch relativ unberührt von den Krisen in Argentinien und Brasilien, dem Verfall an den internationalen Aktienmärkten und den Schockwellen des 11. September zeigt, so sind die Widerstandskräfte doch begrenzt.

Die alten Konjunktur-Lokomotiven Japan und USA stehen nicht mehr unter Dampf und das schnell wachsende China wirkt als Drohkulisse für Südostasien. Kenneth Curtis, Asien-Chef von Goldman Sachs, warnt: "Asiens derzeitige Stabilität ist zwar beeindruckend, aber es muss sich auf erhebliche Probleme gefasst machen."

Strukturmängel bei Banken und Unternehmen

Gefahrenpotenzial droht nicht nur von der politischen Front. Längst nicht vollständig bereinigt sind die Strukturmängel bei Banken und Unternehmen. Japan stöhnt unter der Last fauler Kredite, auch in Thailand und Indonesien sind die Aufräumarbeiten nicht beendet. Der stellvertretende malaysische Ministerpräsident Abdullah Ahmad Badawi warnte in Kuala Lumpur vor den "dunklen Seiten" der Globalisierung: "Eine Finanzkrise wie 1997 und 1998 ist erneut wieder möglich."

Asien will präventiv handeln

Ein Beispiel für einen "asiatischen Ausweg" aus dem düsteren Szenario zeigte der thailändische Premier Thaksin auf. Er schlägt einen asiatischen Anleihemarkt sowie eine Ratingagentur vor, um sich von den internationalen Kapitalmärkten stärker zu lösen - denn asiatische Unternehmensanleihen sind derzeit international wenig gefragt. "Wir müssen unsere Ressourcen besser nutzen," so Thaksin. Grundlage für den Anleihemarkt sollen die kumulierten Devisenreserven Asiens von rund einer Bill. US-$ bilden. Der Aufbau einer asiatischen Ratingagentur soll die Voraussetzung für unabhängige Analysen der regionalen Emittenten bilden.

Die eigenen Märkte stärken will Asien nicht nur angesichts der Kriegsbedrohung. Nach Chinas Beitritt zur Welthandelsorganisation WTO verschieben sich die Handels- und Investitionsströme. "Wir liefern längst mehr in die Asean-Länder als in die USA," sagte Rafidah. "Unsere Märkte werden immer bedeutsamer, daher müssen wir sie als Wachstumsmotoren ausbauen." Malaysia hat bereits umgeschaltet und setzt mehr auf inländische als ausländische Investoren. Nicht ganz freiwillig, denn die Direktinvestitionen werden zunehmend nach Nordostasien umgelenkt. Als Investitionsmagnet läuft China inzwischen Südostasien den Rang ab.

Viele asiatische Unternehmen versuchen, der neuen Lage aber auch Positives abzugewinnen. Firmen in Indonesien, auf den Philippinen oder in Malaysia nutzen die Dynamik des chinesischen Binnenmarktes für Zulieferungen. China bietet daher einen möglichen Rettungsanker für Südostasien, sollten traditionelle Exportströme verstopft sein. Victor Chu, Chairman der First Eastern Investment Group in Hongkong, bilanziert nüchtern: "Südostasien bleibt wenig anderes übrig, als Synergien mit China zu suchen, um wettbewerbsfähig zu bleiben."

Quelle: Handelsblatt

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