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Thain gegen Théodore

John Thain und Jean-Francois Théodore, die Chefs der New Yorker Börse und der französisch-belgisch-niederländischen Euronext, nahmen diese Woche an einer Podiumsdebatte in New York teil.

John Thain und Jean-Francois Théodore, die Chefs der New Yorker Börse und der französisch-belgisch-niederländischen Euronext, nahmen diese Woche an einer Podiumsdebatte in New York teil. Der Amerikaner Thain und der Franzose Théodore präsentierten sich bei der Veranstaltung im edlen Hotel Waldorf-Astorie völlig unterschiedlich. Thain wirkte locker, optimistisch und antwortete scheinbar offen auf die Fragen der Zuhörer nach der Zukunft der New York Stock Exchange. Théodore dagegen sprach kompliziert, wirkte steif und blockte kritische Fragen ab.

Zugegeben, der Franzose hatte es schwerer. Angesprochen auf sein Ziel, die Londoner Börse zu kaufen, zog Théodore unwillkürlich den Kopf ein und verweigerte einen Kommentar „aus juristischen Gründen“. Er hatte kaum eine andere Wahl. Denn die britische Wettbewerbsbehörde prüft derzeit der die kartellrechtlichen Folgen eines Verkaufs der Londoner Börse, und Théodore steckt mitten in einer heiklen Phase.

Für Thain liegt dagegen ein möglicher Deal in Europa in weiter Ferne. Deshalb ging dem Chef der New York Stock Exchange (NYSE) leicht die Ankündigung über die Lippen, in einigen Jahren wolle er bei der europäischen Börsenkonsolidierung womöglich mitmischen. Damit sorgte Thain am nächsten Tag für ein Rauschen im Blätterwald – auch das Handelsblatt berichtete.

Wie gesagt, Konkretes steckte nicht hinter der Ankündigung, die dennoch eindrucksvoll wirkte. Auch sonst sagte Thain inhaltlich keineswegs mehr als sein französischer Kollege – eher im Gegenteil. Der stets völlig kontrollierte Chef der NYSE umschiffte elegant kritische Klippen wie zum Beispiel die Frage nach der Zukunft der Parketthändler, wenn die NYSE wie geplant die elektronische Handelsplattform Archipelago kauft.

„Ich bin optimistisch, dass Parkett und elektronischer Handel nebeneinander existieren werden“, sagte Thain, obwohl das so genannte hybride Marktmodell weder bei Euronext, noch bei der Deutschen Börse und auch nicht wirklich bei der Terminbörse Chicago Mercantile Exchange funktioniert. An allen diesen Börsen verlagerte der Handel sich auf kurz oder lang ins kostengünstigere Computernetz.

Théodore sprach indes offen über die düsteren Aussichten für den Parketthandel. „Bei uns hat das nicht funktioniert“, sagte er, um jedoch sogleich einzuschränken: „Aber ich kann natürlich nur über Europa sprechen.“ Der wohl erzogene Franzose wollte seinem US-Gegenpart nicht in die Parade fahren, zumal bei einer Veranstaltung in New York.

In Punkto Präsentation ging der Sieg eindeutig an Thain, der seinen Heimvorteil nutzen konnte. In Punkto Höflichkeit entschied Théodore die Partie für sich.

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