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Thales lehnt Verbindung mit EADS weiter ab - Keine Vorstandssitzung

Die Planspiele um eine mögliche Übernahme des französischen Rüstungskonzerns Thales durch den Konkurrenten EADS treffen beim Konzern weiter auf Widerstand.

dpa-afx PARIS/FRANKFURT. Die Planspiele um eine mögliche Übernahme des französischen Rüstungskonzerns Thales durch den Konkurrenten EADS treffen beim Konzern weiter auf Widerstand.

In einer Mitteilung vom Montag erteilte Thales den bisherigen Gerüchten eine Abfuhr. Es werde keine Vorstandsitzung über eine "wie auch immer geartete Verbindung mit EADS" geben. Bereits in der vergangenen Woche hatte Unternehmenschef Denis Ranque ein mögliches Zusammengehen mit EADS als "absoluten Wahnsinn" bezeichnet.

'Industriell Stimmiger Zusammenhang'

Thales argumentierte in seiner Mitteilung, dass eine Weiterentwicklung des Konzerns wegen der "starken französisch-britischen Wurzeln" nur in einem "industriell stimmigen Zusammenhang" und auf der Basis der "eigenen strategischen Stärken" möglich sei. Die Gerüchte um eine Offerte beschäftigten die Börsen bereits seit Ende der vergangenen Woche, seitdem die Zeitung "Les Echos" über entsprechende Überlegungen des französischen Wirtschaftsministers Nicolas Sarkozy berichtet hatte.

Die französische Regierung ist mit 15 Prozent an der European Aeronautic Defence and Space Company (EADS) und mit 31,3 Prozent an Thales beteiligt. Auslöser der jüngsten Überlegungen ist nach Angaben der "Frankfurter Allgemeine Zeitung" vom Samstag der Wunsch des Telekomausrüsters Alcatel , seinen 9,5-prozentigen Anteil an Thales abzugeben.

Skepsis AUF Deutscher Seite

Auch an den Börsen wird ein Übernahmeangebot von EADS für möglich gehalten. Auf deutscher Seite werden diese Überlegungen nach Medienberichten aber mit großer Skepsis gesehen. Dabei regiere vor allem die Angst vor einer Verschiebung des deutsch-französischen Machtgleichgewichts im EADS-Konzern zugunsten Frankreichs. Den Informationen der "Financial Times Deutschland" (FTD) vom Montag zufolge, wäre EADS zudem nur an einer Übernahme von Teilen von Thales zur Verstärkung der Rüstungssparte interessiert.

Laut "FTD" aber will auch die Regierung in Berlin verhindern, dass bei EADS die Franzosen künftig im Wesentlichen das Sagen haben. Ebenso sei vom Autobauer Daimler-Chrysler , der mit einem Aktienpaket von knapp 30 Prozent größter Einzelaktionär bei EADS ist, eine Zustimmung kaum zu erwarten. Wie eine Sprecherin von Wirtschaftsminister Wolfgang Clement dem Blatt sagte, könnte das Thema möglicherweise bereits an diesem Dienstag bei dem Treffen der deutsch-französischen Arbeitsgruppe "Wirtschaftskooperation" auf den Tisch kommen.

Umstrukturierungsphase

Die Rüstungsindustrie steckt derzeit in einer tief gehenden Umstrukturierungsphase, die den Druck auf Thales verstärkt. Thales befindet sich laut der Zeitung zudem seit der angekündigten Fusion des Triebwerkbauers Snecma und des Elektronikanbieter Sagem in der Defensive. Auch Thales war an einer Fusion mit Snecma interesiert.

Zusätzliche Komplikationen sehen Beobachter auch an anderer Stelle. Die Militärschiffbau-Sparte bei Thales soll nach den Wünschen der französischen Regierung mit der Staatswerft DCN fusionieren, damit dann beide später in den derzeit entstehenden europäischen Werftenverbund von Thyssen-Krupp und HDW eingebracht werden können. Um der deutschen Seite mehr Gewicht zu verleihen, hat Sarkozy nach Informationen von "Les Echos" nun einen Einstieg von EADS an dem Werftenverbund vorgeschlagen.

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