Thalidomid wirkt gegen Tumore im Knochenmark
Contergan bremst Krebswachstum

Der Wirkstoff Thalidomid, bekannt unter dem Handelsnamen Contergan, könnte in der Krebsbehandlung eine Renaissance erleben. Bei Knochenmarkkrebs wirkt Thalidomid lebensverlängernd, wie Hartmut Goldschmidt, Leitender Oberarzt an der Universitätsklinik Heidelberg, in einer dreijährigen Therapiestudie belegt. Das Ergebnis bestätigt damit Erkenntnisse aus den USA.

hsn DÜSSELDORF. Das Schlafmittel wurde vor 40 Jahren vom Markt genommen wurde, weil es bei der Einnahme während der Schwangerschaft bei rund 10 000 Neugeborenen Fehlbildungen an den Gliedmaßen verursacht hatte. Zahlreiche Forschungsprojekte haben inzwischen gezeigt, dass der Wirkstoff bei schweren Krankheiten Linderung bringen kann. Bereits Anfang der siebziger Jahre hat die Weltgesundheitsorganisation den Einsatz von Thalidomid bei Lepra empfohlen. Aber auch in anderen Bereichen der Medizin begannen Forscher damit, die Wirkung des Medikaments bei verschiedenen Tumoren und Immunerkrankungen zu untersuchen.

"Thalidomid verfügt über mehrere Wirkmechanismen", erläutert Goldschmidt. So verhindere der Wirkstoff die in Tumoren üblicherweise einsetzende Neubildung von Blutgefäßen.Gleichzeitig wirke es direkt toxisch auf die Tumorzellen und stimulierend auf bestimmte Immunzellen sowie deren Botenstoffe, die Zytokine.

Etwa ein Drittel der Patienten die an einem Multiplen Myelom (Plasmozytom) - einer Tumorerkrankung der Plasmazellen im Knochenmark - erkrankten und denen eine Chemotherapie nicht helfen konnte, profitieren von Thalidomid, wie Studien in den USA zeigten: Die Tumoraktivitaet bildet sich zurück. Vor drei Jahren wurden in der Heidelberger Klinik Therapiestudien begonnen, an denen mittlerweile 200 Patienten aus dem gesamten Bundesgebiet und dem Ausland teilnehmen. "Die Wirksamkeit des Medikamentes hat sich bestätigt", berichtet Goldschmidt.

Außerdem haben die Ärzte die Nebenwirkungen von Thalidomid besser kennen gelernt. Diese äußern sich vor allem in der Bildung von Blutgerinnseln und Herzrhythmusstörungen. Trotz dieser starken Nebenwirkungen könne das Mittel das Leben selbst bei sehr weit fortgeschrittener Erkrankung um viele Monate verlängern, so der Heidelberger Arzt.

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