„The Show must go on“
Detroit Motor Show: Hersteller setzen auf Masse

"The Show must go on" - nach den Terroranschlägen jetzt erst recht, sagen sich die Amerikaner. Und so werden die Autohersteller auf der am heutigen Sonntag beginnenden "North American International Auto Show" (NAIAS) einmal mehr versuchen, allen Rezessions- und Terrorängsten zum Trotz das große Gefühl von Schnelligkeit und Motor-Hightech zu beschwören.

dpa-afx FRANKFURT. Wenn die erste große US-Messe eines jeden Jahres in Detroit ihre Tore öffnet, werden zwar wieder einige Weltneuheiten und viele Modellstudien präsentiert - "echte Kracher" erwartet jedoch niemand. Vor allem von den deutschen Autobauern wird kaum etwas Neues zu sehen sein - sie dürften ihr Pulver bereits auf der größten Autoshow der Welt, der IAA in Frankfurt, verschossen haben.

Die Hersteller setzen in diesem Jahr vor allem auf Autos für die breite Masse. So präsentiert der US-Hersteller Ford erstmalig seinen überholten "Expedition". Mehr Fahrkomfort soll der Wagen bieten und in seinem Stil an das Design der guten alten 1960-er Gefährte erinnern. Der Verkauf soll bereits im Frühjahr beginnen. Honda geht mit einer neuen Version seines vor allem in Übersee erfolgreichen Acura MD-X an den Start. Im sportlich getrimmten Van "Pilot" finden acht Passagiere Platz.

Solide und sportlich zugleich - so präsentiert Volvo seinen neuen XC90. Wie der S80 und der V70 basiert der Wagen auf der größten Plattform des Autobauers. Ein auf einer kleineren Plattform basierendes Modell soll im nächsten Jahr auf den Markt kommen.

Doch all der Pomp, die Lightshows und das musikalische Gewitter, die sicherlich auch in diesem Jahr wieder das Mega-Spektakel aufmotzen und die Messe zum wichtigsten Auto-Highlight in den USA machen sollen, können über eines nicht hinwegtäuschen: Die Weltwirtschaft und die Automärkte befinden sich in einer Abwärtsfahrt - und die Kurve nach oben ist noch nicht in Sicht.

Nachfragerückgang in den USA

Vor allem die US-amerikanischen Autohersteller müssen sich warm anziehen: Im vergangenen Jahr waren ihre Verkäufe drastisch eingebrochen. Zusätzlich zum allgemeinen Nachfragerückgang hatte vor allem die deutsche Konkurrenz das amerikanische Terrain erobert und den US-Autobauern die Kunden weggeschnappt.

Nach dem Erfolgsjahr 2000 zeigen die Zahlen tief nach unten: Waren im Jahr 2000 noch 12,8 Mill. Wagen von den Bändern gerollt, waren es nach einer ersten vorsichtigen Schätzung im vergangenen Jahr nur noch etwa 11,4 Mill. - ein Rückgang von mehr als 11 %. Ebenso bei den Verkaufszahlen: Im Jahr 2000 waren 17,4 Mill. Wagen verkauft worden. Für das Jahr 2001 gehen die Konzerne nur noch von rund 17 Mill. verkauften Autos aus. Zwar hatten in den letzten Monaten des Jahres die Absatzzahlen vor allem wegen der Discount-Preise der Hersteller wieder angezogen. Analysten rechnen jedoch nicht mit einer andauernden Wirkung in den nächsten Monaten. Bei Ford geht man sogar davon aus, dass im Jahr 2002 der Markt bis auf 15,5 Mill. verkaufte Autos einbrechen wird.

Vor allem nach dem 11. September wurde die Krise umso deutlicher: Die großen Drei - Ford, General Motors und Daimler-Chrysler - kappten drastisch die eigenen Investitionen. Tausenden Mitarbeitern in den Konzernen steht die Kündigung ins Haus. Auch der jahrelang erfolgsgewohnten asiatischen Konkurrenz ergeht es nicht deutlich besser: Die hochverschuldete koreanische Daewoo Motors hofft auf die Rettung vor dem finanziellen Ruin durch General Motors. Und auch die Großen wie Honda und Toyota klagen über sinkende Verkaufszahlen.

Honda rechnet immerhin damit, dass auf dem heimischen Markt die Verkäufe im Jahr 2002 wieder um 7 % anziehen, die Exporte nach Übersee aber stark rückläufig sein werden. Bei Toyota schätzt man, dass sich im kommenden Jahr das weltweite Absatzwachstum auf ein Prozent halbieren wird.

Deutsche Autobauer bleiben auf der Überholspur

Viele Autobauer müssen jetzt auslöffeln, was sie sich seit den 90er-Jahren selbst eingebrockt haben. Die Kapazitäten wurden enorm aufgestockt - weltweit von 58 Mill. 1990 auf 78 Mill. im Jahr 2000. Vor allem Ford, GM und Daimler-Chrysler wollen ihre Produktion nun drastisch reduzieren, um schon im Jahr 2002 wieder den Weg in die schwarzen Zahlen zu finden. Bei Ford etwa wird allein in den ersten drei Monaten die Produktion um 9 % gekappt. Der Konzern schreibt das vierte Quartal in Folge Verluste, hofft aber schon im nächsten Monat auf den ökonomischen Turnaround.

Abgesehen von der Finanzkrise bei der General-Motors-Tochter Opel scheinen die deutschen Autobauer noch nicht von der Überholspur verdrängt zu sein. Um Geld zu sparen, setzen sie auf den deutschen Osten. Während andere abbauen, schaffen BMW mit einem neuen Werk in Leipzig und Daimler-Chrysler im thüringischen Kölleda etwa 11 000 neue Jobs.

Rund 2,5 Mrd. DM werden in den kommenden Jahren in die Dependancen gesteckt. BMW will im neuen Jahr 2002 rund 3,4 Mrd. ? in das weitere Wachstum pumpen. Investitionen, die sich möglicherweise bald wieder lohnen könnten: Denn Analysten wie David Healy von Burnham Securities schätzen immerhin, dass die Nachfrage nach Autos in der zweiten Hälfte des Jahres 2002 wieder anziehen wird. Eine Prognose, an der die Besucher und Aussteller auf der Detroit Auto Show sicher ihre Freude haben werden.

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