Theater-Gelände gleicht einer Festung
Verzweifelte Angehörige bangen um Leben der Geiseln

Während in der Konzerthalle in Moskau schwer bewaffnete tschetschenische Rebellen bis zu 700 Menschen in ihrer Gewalt halten, spielt sich draußen vor der Tür das zweite Drama ab. Dort harren verzweifelte Angehörige aus. Eine ältere Frau mit zerzauster Frisur hält das Foto eines Mädchens hoch. «Meine Tochter ist da noch drin», ruft die Moskauerin. Die Angst seht ihr ins Gesicht geschrieben. Eine enge Kette von Polizisten verhindert, dass Angehörige dem Theater zu nahe kommen.

HB/dpa MOSKAU. Viele Verwandte haben bei nasskaltem Schneeregen bereits die ganze Nacht in der Melnikowa-Straße verbracht. Sie wurden am Mittwochabend von Anrufen ihrer Lieben aufgeschreckt, die sich eigentlich bei einer Musicalvorführung vergnügen wollten und sich urplötzlich in einem Drama wiederfanden, bei dem es um Leben und Tod geht.

Das Flieger-Musical "Nord-Ost" ist seit Monaten der Kassenschlager im Moskauer Theaterleben. Die maskierten, in Tarnanzüge gekleideten Rebellen stürmten während des zweiten Akts in den Konzertsaal und brachten Zuschauer, Darsteller und Personal in ihre Gewalt.

Verbindung über Mobiltelefone

Den Angehörigen auf der Straße machen nicht nur die Waffen und der Sprengstoff der Rebellen im Gebäude Angst. "Was geschieht, wenn die russischen Spezialeinheiten das Musiktheater stürmen?", fragen sich viele. In Todesangst rufen immer wieder Geiseln über Mobiltelefon Bekannte und Verwandte an. "Bitte, bitte nicht stürmen, wir werden sonst alle in die Luft gesprengt", sagt ein gefangen gehaltener Junge übers Telefon einem Fernsehbericht zufolge.

In ihrer Not haben sich die Angehörigen auf der Straße zusammengefunden. Um Fassung ringend, verliest eine Frau eine gemeinsame Erklärung gegen die Stürmung des Gebäudes. "Schont das Leben unserer Kinder, Frauen und Männer", flehen die Menschen vor zahlreichen Fernsehkameras.

Das Gelände rund um das Theaterzentrum im Südosten Moskaus gleicht am Donnerstag einer Festung. Bereits in der Nacht hatten Polizei und Armee die Straßenzüge weiträumig abgeriegelt. Gepanzerte Wagen wurden aufgefahren. Scharfschützen bezogen in den umliegenden Gebäuden Stellung. Gebäude wurden evakuiert.

Psychologen und Einsatzkräfte der Polizei fordern die Angehörigen auf, sich in eine Turnhalle zu begeben und dort abzuwarten. "Es wird schon gut gehen", redet eine Betreuerin ihnen beruhigend zu.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%