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Theater im Parkhaus: «Being Jekyll & Hyde» in Bochum

Bochum (dpa) - Ein leichter Urinduft weht durch den zugigen Raum. Eine Etage tiefer suchen die Besucher des Bochumer Bermuda-Dreiecks einen Parkplatz; eine Etage höher prasselt Regen auf das Flachdach. Die Ruhrtriennale macht ein Parkhaus in «Being Jekyll & Hyde» zum theatralischen Ort.

Bochum (dpa) - Ein leichter Urinduft weht durch den zugigen Raum. Eine Etage tiefer suchen die Besucher des Bochumer Bermuda-Dreiecks einen Parkplatz; eine Etage höher prasselt Regen auf das Flachdach. Die Ruhrtriennale macht ein Parkhaus in «Being Jekyll & Hyde» zum theatralischen Ort.

Tatsächlich passt dieser düstere, verlassene und ein wenig beängstigende Ort mitten im Bochumer Ausgehviertel perfekt zu dem Stück, das Regisseur Michael Witte nach einem Text von René Linke in Szene gesetzt hat. Es geht um zwei junge Leute mit Todessehnsucht, die im Parkhaus ein morbides Spiel spielen: Sie versetzen sich in einen anderen Menschen und dessen Lebensgeschichte, die stets von Depressionen, Mord oder Todessehnsucht handelt. Die zynische Motivation dahinter formuliert der Mann (Markus Schneider): «Es gibt immer noch einen, dem geht es beschissener als dir.»

Die Bühne - das Parkdeck - hat keine Begrenzung, ein undefinierbarer Raum, dem nur die tragenden Säulen ein wenig Struktur geben. Am Ende des Decks, für die Zuschauer kaum mehr zu erkennen, begleitet die Band «Bohren & Der Club of Gore» das Geschehen mit psychedelischen Klängen.

Eine Mutter tötet ihr Kind, jemand schneidet sich die Pulsadern in der Badewanne auf, eine Tochter berichtet ihrer Mutter schreiend und weinend von den Zwang, sich die Haut blutig zu kratzen - die beiden wetteifern im Erfinden und Darstellen der «besten» Geschichte. Während die Frau (Melanie Nawroth) zunehmend Angst bekommt, aus der Spiel-Rolle nicht mehr heraus zu kommen, feuert der Mann sie an: «Streng dich an, Du hast keinen Groove» oder «Was für ein Kitsch!»

Der Reiz des Textes liegt in dem andauernden Wechsel der Wahrnehmungsebenen: Die Figuren verflechten Spielhandlung und Realität so lange, bis der Zuschauer Mühe hat, zwischen beidem zu unterscheiden. Und auch die Figuren kommen ins Schwimmen: «Ich kann nicht mehr!», schluchzt sie. «Gehört das jetzt noch dazu?», fragt er.

Obwohl die Darsteller ihre Figuren intensiv mit Leben füllen und die Atmosphäre des Ortes mit der sphärischen Musik das Ihre tun, schafft die Inszenierung es nicht, den Zuschauer ins Geschehen zu ziehen. Dass die Faszination eine intellektuelle bleibt, liegt vor allem am zwar blutrünstigen, aber dennoch etwas blutleeren Text und einigen bewusst gesetzten Leerstellen der Inszenierung, die auch Musik und geschickt inszeniertes Licht nicht ausfüllen können.

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