Theater und Opernhäuser stoppen Lärm während Aufführungen
Das Ende des Handygebimmels

Immer häufiger stören Mobiltelefone, Papierrascheln oder lautes Husten kulturelle Veranstaltungen. Um das zu verhindern, haben sich Theater, Opernhäuser und Kinos verschiedene Strategien ausgedacht.

ap BERLIN. Die schönste Stelle ist erreicht: Ganz leise spielt das Orchester Kantilenen aus Richard Wagners "Tristan und Isolde". Dann zerreißt ein ohrenbetäubendes Handyklingeln die Stille. Immer häufiger stören Mobiltelefone, Papierrascheln oder lautes Husten kulturelle Veranstaltungen. Um das zu verhindern, haben sich Theater, Opernhäuser und Kinos verschiedene Strategien ausgedacht. "Seit Beginn der Spielzeit strahlen Projektoren die Aufforderung, Handys auszuschalten, in Englisch und Deutsch auf vier freie Flächen", erzählt Stephan Kock, Mitarbeiter der Berliner Philharmonie.

Seitdem sei nur noch selten ein Klingeln zu vernehmen. Auch gegen das lästige Husten während der Konzerte hat man eine Methode gefunden. Im Foyer und an den Garderoben liegen in Schalen Hustenbonbons aus - in vier Geschmacksrichtungen, so dass auch wirklich für jeden etwas dabei ist. Der Clou daran ist, dass die Firma Ricola ein Papier entwickelt hat, das beim Ausrollen weder knistert noch raschelt.

Besonders beliebt scheint in Theatern die Methode, kurz vor der Aufführung per Tonband ein lautes Handyklingeln einzuspielen. "Prompt greifen sich die meisten Besucher mit erschrockenen Gesichtsausdruck in Jackett-Taschen oder kramen in Handtaschen, um das eigene Gerät auszuschalten," sagt Peter Schmeißer, Mitarbeiter des Deutschen Theaters in Berlin.

Dieses Prinzip funktioniert auch im Hamburger Thalia-Theater, in der Deutschen Oper Berlin und im Kölner Opernhaus. Hier müssen die Besucher sogar bis zu drei Mal eine Ansage ertragen, die jedes Mal mit einem "nervigen Handyklingeln" beginnt. Trotzdem komme es ab und zu vor, dass die Telefone nicht ausgeschaltet werden, erzählt die Sprecherin der Bühnen Köln, Ursula Fröhlingsdorf. Daraufhin hätten sich andere Besucher beschwert und Kontrollen gefordert. Leibesvisitationen allerdings wolle man nicht durchführen.

Einige Regisseure integrieren die Aufforderung, Handys auszustellen, in ihre Inszenierung. So lässt die Choreografin Sasha Waltz an der Berliner Schaubühne am Lehniner Platz eine Schauspielerin über die Bühne tanzen, die ein Schild trägt, auf dem die entsprechende Aufforderung in Leuchtschrift steht. Auch im Deutschen Nationaltheater Weimar wird ab und zu ein "Nummerngirl" eingesetzt, das den Besuchern die Anweisung gibt.

Viele Theater verlassen sich jedoch auf Anschläge, Schilder, Handzettel und Hinweise in den Programmheften.

"Glücklicherweise" komme es auch nur sehr selten vor, dass bei einem Konzert ein Handy klingle, sagt Anita Maas-Kehl, Sprecherin der Alten Oper in Frankfurt am Main. Manchmal scheint es da gar nicht so schlimm, dass die Technik auch ihre Tücken haben kann. Im Württembergischen Staatstheater in Stuttgart ist der Empfang für das geliebte Telefon äußerst schlecht.

Wieder andere Theater und Opernhäuser setzen auf die Vernunft der Besucher. Das Problem mit dem Handyklingeln sei nicht allzu groß, sagt Dirk Steiner, Sprecher des Leipziger Gewandhauses. Deshalb verzichte man auch auf Ansagen. "Die größte Strafe für den, dessen Handy während der Vorstellung klingelt, ist sicher die Peinlichkeit, die entsteht, wenn er alle Blicke auf sich gerichtet spürt." Auch das Bonbon-Verteilen gegen Husten habe nicht viel gebracht. Viele hätten sich die Taschen voll gestopft, um die Drops mit nach Hause zu nehmen, erinnert sich der Sprecher. Auch in Kinos sind Handys tabu. Sobald ein Besucher beim Telefonieren ertappt werde, werde er von einem Mitarbeiter aufgefordert, das Gerät auszustellen, sagt Arne Schmidt, Sprecher der Cinemaxx-AG. Das Knuspern beim Verzehr von Popcorn und Chips gehöre dagegen einfach dazu.

Besser als in Frankreich haben es Handy-Liebhaber in Deutschland aber allemal. Dort soll voraussichtlich ab Sommer der Einsatz von Störsendern gegen Handy-Empfang in Theatern, Konzertsälen und Opern erlaubt werden.

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