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«Theatersoap»: Zaimoglu-Stück in Kiel uraufgeführt

Kiel (dpa) - Sie suchen Liebe und Geborgenheit, träumen ziellos, finden zueinander, suchen aufs Neue: Sieben Menschen verheddern sich in einem turbulenten Beziehungsgeflecht, der Alltagswahnsinn treibt sie um. Dennoch ist alles «Halb so wild».

Kiel (dpa) - Sie suchen Liebe und Geborgenheit, träumen ziellos, finden zueinander, suchen aufs Neue: Sieben Menschen verheddern sich in einem turbulenten Beziehungsgeflecht, der Alltagswahnsinn treibt sie um. Dennoch ist alles «Halb so wild».

So heißt das Liebesstück von Feridun Zaimoglu, das der Kult-Schriftsteller («Kanak Sprak», «German Amok») gemeinsam mit Günter Senkel schrieb und am Freitagabend in Kiel Uraufführung hatte. Mit minutenlangem Beifall bedachte das bestens unterhaltene Publikum im Studio des Schauspielhauses ein spielfreudiges Ensemble und das Autorenduo.

Mit dem episodenhaften Stück machen der 1964 in der Türkei geborene und seit 1985 in Kiel lebende Zaimoglu und Co-Autor Senkel einen weiteren Schritt in ihrer gemeinsamen Theaterkarriere. Sie hatten bereits im vorigen Jahr für die Münchner Kammerspiele Shakespeares «Otello» neu bearbeitet. In Frankfurt führte das Schauspiel ihr gemeinsames Stück «Casino Leger» auf.

«Halb so wild», die erste Arbeit von Regisseurin Annette Pullen für das Kieler Schauspiel, kommt trotz des Titels ziemlich wild daher. Die geschiedene Tine, Mutter einer Neunjährigen, streitet mit ihrem Partner Philipp, der junge Mahmud verliebt sich in Tines Mutter, ein ziemliches Beziehungswirrwarr haben Zaimoglu und Senkel zusammengebunden. Als Mutter brilliert die von einem Bänderfaserriss gehandicapte Andrea Schöning - schrullig, naiv und mannstoll bringt sie ihre «Frau Wolf» auf die Bühne.

Irgendwie haben alle Figuren miteinander zu tun: Tines Ex-Mann Tristan führt mit Freundin Meike einen absurden Karatekampf gegen Motten auf, die einen Staubsauger befallen haben, das Gerät landet auf dem Sperrmüll und schließlich beim Deutschtürken Mahmud. Dessen Freund Siggi trifft Meike per Kontaktanzeige. Siggi sehnt sich auch nach Ina und leidet unter den Tücken moderner Technik: Sein Handy vibriert derart stark, dass es ihn vom Sitz im Eisenbahnwaggon herunter rüttelt.

Typisch für das neunzigminütige Stück sind coole, ironisiert- kitschige oder banale Sprüche: «Ab fünfzig hat man keinen Sex-Appeal, ab fünfzig hat man einen Kosmetikberater», meint Philipp, «Ich bin 'n Romantik-Hooligan, dass es klar ist», bekennt Mahmud, «Vor allem Männerschweiß zieht die Motten an», weiß Meike.

Den Begriff «Theatersoap» lässt Zaimoglu für das Stück gelten, auch wenn er bei aller Leichtigkeit und auch Leichtfertigkeit in seinen Liebesgeschichten Tiefgang beansprucht. «Es geht in dem Stück nicht um das ganz Dramatische, wenn man es unbedingt wissen will mit der Liebe», erläutert der Schriftsteller und Dramatiker, der auch Kolumnist und bildender Künstler ist.

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