Archiv
Théâtre du Soleil: Ein Höhepunkt der RUHRtriennale

Bochum (dpa) - Das Théâtre du Soleil hat in Bochum mit dem zweiten Teil von «Le dernier Caravansérail» («Die letzte Karawanserei») sein großes Schauspiel über Flüchtlinge in aller Welt zu Ende geführt.

Bochum (dpa) - Das Théâtre du Soleil hat in Bochum mit dem zweiten Teil von «Le dernier Caravansérail» («Die letzte Karawanserei») sein großes Schauspiel über Flüchtlinge in aller Welt zu Ende geführt.

Das Publikum in der Jahrhunderthalle ehrte das Sonnentheater aus Vincennes bei Paris und seine Prinzipalin, Ariane Mnouchkine, die gemeinsam das sechsstündige Drama erarbeitet haben, indem es sich beim Schlussbeifall erhob. Das Gastspiel wurde, wie erwartet, ein Höhepunkt der RUHRtriennale 04.

Der zweite Teil beginnt nach einem Prolog mit einem hochdramatischen Bild: Ein winziges, primitives Schiffchen, voll gestopft mit Flüchtlingen, hüpft wie ein Kork auf den Wogen. Auf dem Weg nach Australien wird das Boot von einer Riesenwelle überrollt - große Stoffbahnen, quer über die Bühne gespannt und von Schauspielern bewegt, stellen den Ozean dar. Als vor der Küste des fünften Kontinents Hubschrauber auftauchen, winken die Flüchtlinge begeistert. Doch ihre Freude verwandelt sich in Entsetzen, als die Küstenwächter sie auffordern, aufs Meer zurückzudrehen. Die Flüchtlinge dürfen nicht anlanden.

Der Gegensatz zwischen den Elenden im primitiven Boot und den gut ausgestatteten Fliegern mit ihren Helmen wirkt stark, die Zurückweisung brutal, eine Verweigerung einfachster Mitmenschlichkeit. Ein anklagendes Bild. Die Szene wird abermals zum Tribunal, als das Publikum hinter Kunststoffvorhängen ein Drama ahnen kann: ein Afrikaner soll abgeschoben werden und wehrt sich verzweifelt mit aller Kraft dagegen, in das Flugzeug einzusteigen. Zwei Häscher machen ihn mit Gewalt gefügig - eine quälende Szene.

Diese brillant gespielten Anklagen verklammern den zweiten mit dem ersten Teil, den das Theater am 8. Juni bot. Das Théâtre du Soleil fordert mit seinem großen, globalisierungskritischen Flüchtlingsprojekt Hilfe für die Schwachen und Solidarität mit den Hilfsbedürftigen ein. Der zweite Teil ist nicht so straff durchkomponiert wie der erste, das Ende zerfasert etwas, die Musik Jean-Jacques Lemêtres schiebt sich mitunter ungebührlich in den Vordergrund. Dennoch: Der engagierte Appell an die Solidarität mit den Mühseligen und Beladenen überzeugt, er steht in Übereinstimmung mit dem noblen Geist der RUHRtriennale, wie ihn Gérard Mortier, der Gründungsintendant des neuen Festivals im Ruhrgebiet, anstrebt.

Die RUHRtriennale hat mit dem Stück «Die letzte Karawanserei» des Théâtre du Soleil Maßstäbe gesetzt, an denen sich die großen europäischen Festivals in Salzburg, Avignon und Edinburgh in diesem Sommer werden messen lassen müssen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%