Thema auf G7-Treffen
Preisdaten nähren Deflationsängste in den USA

In den USA zeichnen sich neue Gefahren für die erhoffte konjunkturelle Erholung ab. Der am Donnerstag bekannt gegebene Rekordrückgang der Erzeugerpreise im April nährt Analysten zufolge Befürchtungen, dass der weltgrößten Volkswirtschaft eine Deflation drohen könnte. Volkswirte sehen in den Daten weitere Gründe für eine baldige Zinssenkung der US-Notenbank (Fed). Diese hatte bereits vergangene Woche vor Deflationsrisiken für die USA gewarnt.

Reuters WASHINGTON. In den vergangenen Jahren hatte das Thema Deflation in den USA und Europa praktisch keine Rolle gespielt. Japan dagegen leidet seit Jahren unter der Abwärtsspirale von sinkenden Preisen und schrumpfender Realwirtschaft. Der Preisverfall schlägt sich nicht nur unmittelbar in fallenden Einnahmen der Unternehmen nieder, sondern führt indirekt auch zu einer sinkenden Nachfrage: Verbraucher verschieben ihre Einkäufe und Firmen ihre Investitionen in der Hoffnung auf einen weiteren Preisrückgang. Außerdem erhöht sich die reale Schuldenlast von Unternehmen und Verbrauchern, was die Nachfrage zusätzlich belastet. Nach den Worten von US-Finanzstaatssekretär John Taylor wird das Thema Deflation auf dem Finanzminister-Treffen der sieben führenden Industrienationen (G7) am Wochenende in Frankreich diskutiert. Finanzminister John Snow glaube aber nicht, dass Deflation für die USA ein Problem sei, sagte Taylor vor Journalisten.

Die Erzeugerpreise in den USA verzeichneten im vergangenen Monat wegen stark gesunkener Energiekosten den stärksten Rückgang seit Beginn der Statistik im Jahr 1947, wie das US-Arbeitsministerium mitteilte. Das Minus fiel mit 1,9 % deutlich höher aus als von Volkswirten erwartet. Die durchschnittliche Prognose der Analysten belief sich auf einen Rückgang von lediglich 0,6 % im Vergleich zum Vormonat. Die Energiepreise sanken allein um 8,6 %. In der Kernrate - also ohne die schwankungsanfälligen Preise für Energie und Lebensmittel - sanken die Erzeugerpreise um lediglich 0,9 %. Rechnet man zusätzlich Automobil- und Zigarettenpreise heraus, ergab sich sogar ein Anstieg um 0,2 %.

Analysten werteten die Daten als Beleg für die jüngste Warnung der US-Währungshüter. "Sie bestätigen die Sorge der Fed, dass Deflation zu einem Thema für die Wirtschaft werden könnte", sagte Tim Ghriskey von Ghriskey Capital Partners. Ähnlich äußerte sich Peter Cardillo von Global Partners Securities. Er warnte allerdings zugleich davor, die Zahlen überzubewerten. "Der Rückgang geht größtenteils auf die fallenden Ölpreise nach dem Ende des Irak-Krieges zurück, deswegen glaube ich, dass die Deflationsängste etwas übertrieben sind." Edgar Peters von Panagora Asset Management ergänzte: "Sollten wir eine Deflation bekommen, wäre das schlimm." Aber im Augenblick sehe es lediglich nach einer niedrigeren Inflation aus. Christopher Low von FTN Financial sagte, die Erzeugerpreis-Daten nährten Spekulationen, "dass die Fed die Zinsen senken muss, um eine Deflation aufzuhalten".

Die US-Notenbank hatte vergangene Woche den Leitzins mit 1,25 % unverändert auf dem tiefsten Niveau seit mehr als 40 Jahren gelassen und zugleich ihre Bereitschaft zu einer weiteren geldpolitischen Lockerung signalisiert. Außerdem hatten sich die Währungshüter besorgt geäußert über einen anhaltenden Rückgang der Inflation. Bislang hatte Fed-Chef Alan Greenspan vor allem die Investitionszurückhaltung der Unternehmen als Haupthindernis für die erhoffte wirtschaftliche Belebung betont.

Die Europäische Zentralbank (EZB) sah zuletzt keine unmittelbare Gefahr einer Deflation. "Wir teilen diese Angst nicht für die Euro-Zone als ganze", hatte EZB-Chef Wim Duisenberg ebenfalls vergangene Woche gesagt.

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