Thema Unternehmensanleihen wird immer wichtiger
Allianz-Leben-Chef beklagt Regulierungswut

Gerhard Rupprecht, der Chef der Allianz Lebensversicherung in Stuttgart, sieht für die Lebensversicherer gute Rahmenbedingungen. "Die langfristige Profitabilität der Branche hat sich nicht verschlechtert", betont er im Gespräch mit dem Handelsblatt. Seine Einschätzung wird von externen Experten mit Einschränkung geteilt. Arne Jockusch, Analyst bei Merck Finck, befürchtet anhaltenden Druck auf die Margen, wenn die Zinsen weiter niedrig blieben.

STUTTGART. Dem Allianz-Chef verursacht allerdings "die zunehmende Regulierungstendenz" für die Altersvorsorge Kopfschmerzen. Als Beispiel nennt er die Riester-Rente: "Da hat man eine hervorragende Idee stark behindert." Auch in der Rürup-Kommission zur Rentenproblematik erkennt er eine gewisse Regulierungswut. Ihre Grundausrichtung auf eine nachgelagerte Besteuerung - erst bei Auszahlung - hält er für richtig. Nach seiner Meinung sollte sie aber nicht auf alle Vorsorgeprodukte angewendet werden - allein schon, um die Finanzierungslücke für den Staat einzugrenzen. "Außerdem muss es Elemente in der Vorsorge geben, die es erlauben, Kapital zu bilden", betont er und wendet sich damit gegen Vorschläge, nur noch Produkte mit einer Rentenzahlung zu begünstigen. Daher hofft er, dass die bisherige Besteuerung der Lebensversicherung erhalten bleibt.

Rupprecht begrüßt die vorgeschlagene Absenkung des Garantiezinses für neu abgeschlossene Lebensversicherungen von 3,25 auf 2,75 %. Er würde als Umstellungszeitpunkt Mitte 2004 bevorzugen, käme aber auch mit dem Stichtag Anfang 2004 klar. Einen Verkaufsboom durch Kunden, die noch die alte Regelung mitnehmen möchten, erwartet er nicht: "Ich rechne mit keinerlei Vorzieheffekten." Nach seiner Ansicht kann die Branche die Garantiezinsen, die wegen der weiter laufenden älteren Verträge bei rund 3,5 % im Durchschnitt liegen, problemlos erwirtschaften. Er befürchtet daher - außer den bereits bekannten Fällen - keine großen Schieflagen mehr in der Branche. Viele Experten erwarten für die Lebensversicherer eher eine geräuschlose Bereinigung, bei der die starken Anbieter Marktanteile aufsaugen. Oliver Bäte, Partner bei McKinsey, sagt: "Die laufende Konsolidierung im Neugeschäft wird weiter fortschreiten. Bereits im Jahr 2002 ist der Neugeschäftsmarktanteil der Top-5-Lebensversicherungsgruppen um 6 %-Punkte angestiegen."

Von der Kapitalanlage erwartet Rupprecht keine größeren Probleme mehr. Die Allianz Leben hat eine Aktienquote von 12 %. "Ich fühle mich sehr komfortabel damit", betont ihr Chef. Sein Unternehmen überprüfe die Quote laufend mit internen Szenario-Rechnungen, die weit ausgefeilter seien als die von der Finanzaufsicht vorgeschriebene Methode.

Ein immer wichtigeres Thema für ihn werden Unternehmensanleihen, deren Anteil zwischen 6 und 7 % liegt. Sie ermöglichen, die Rendite gegenüber reinen Staatspapieren aufzubessern und das Risiko regional weit zu streuen, weil es auch außereuropäische Emittenten von Euro-Anleihen gibt. Die Allianz kauft aber fast nur Papiere mit "Investment Grade", also relativ hoher Bonität (mindestens BBB- nach Standard & Poor?s). In kleinem Umfang investiert sie auch in Private Equity. Von einer Anlage in Hedge-Funds hält Rupprecht aber nichts.

Mit dem Beitrag der Dresdner Bank zum Neugeschäft, der bei etwa 12 % liegt, ist er noch nicht zufrieden. "Die Produktivität der Filialen wird noch zunehmen", sagt er diplomatisch. Man komme sich aber näher, im Geschäft und ebenso auf Betriebsfesten. Rupprecht: "Die gewisse Fremdheit zwischen Bank- und Versicherungsleuten hat sich weitgehend abgebaut."

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