Thema Vermögensplanung
Auf die richtige Mischung kommt es an

Viele Anleger achten zu wenig auf die Struktur des Gesamtvermögens. Finanzplaner helfen bei der Feinabstimmung.

Statt der Jagd auf Schnäppchen an der Aktienbörse oder der Suche nach Hochprozentern unter den Unternehmensanleihen sollte man sich jetzt die Zeit nehmen und eine "ganzheitliche Vermögensanalyse" vornehmen, die nicht nur die Wertpapiere umfasst, sondern auch das Immobilienvermögen auf den Prüfstand stellt. Dass man solche komplexen Betrachtungen nicht alleine anstellen kann, ist klar, aber dafür gibt es mittlerweile gut geschulte unabhängige Experten und Fachleute in den Banken - so genannte Financial Planner oder auch Vermögensstrukturberater.

Mit dem Sterben der Hausse an der Börse stellen die Banken ihre Kompetenzen auf dem Gebiet wieder stärker heraus, einige verkaufen es gar als Innovation. Dabei ist die Idee schon Jahrzehnte auf dem Markt. Albrecht Graf Matuschka trat nämlich mit einem solchen Konzept in den 80er-Jahren gegen die Kreditinstitute an. Leider scheiterte der Graf an zu ambitionierten Expansionsplänen, seine Ideen finden sich aber in vielen Beratungsansätzen noch heute wieder.

Priorität hat für die Finanzplaner der Vermögenserhalt und die Sicherung einer Mindestliquidität, wobei in unsicheren Jobzeiten wie diesen für die Liquidität drei bis sechs Monatsgehälter angesetzt werden. Erst danach werden höhere vor- und nachsteuerliche Renditen, möglichst geringe Schwankungsrisiken (Volatilität) und der Zeithorizont erörtert. Hinzu kommt die Einarbeitung der persönlichen und gesamtwirtschaftlichen Risiken, etwa Scheidung und Inflation. Das Sahnehäubchen sind die Steueroptimierung und Erbschaftsfragen.

Extrem wichtig und ebenso schwierig ist die Festlegung des Risikoprofils, denn in guten Börsenzeiten geben sich die Anleger gerne risikofreudig, was sie in schlechten Zeiten dann bereuen. Die Bethmann Bank nähert sich dem Problem mittels Fragenkatalog, "um die Mentalität des Kunden auszuloten", wie es Bernd Göttinger vom Financial Planning der Bank formuliert. "Will sich der Kunde stark gegen politische Risiken absichern?" oder "Wie hoch ist die Bereitschaft, Fremdmittel aufzunehmen?" seien typische Fragen, die geklärt werden müssten.

Danach wird aus dem Ist-Zustand die angestrebte Soll-Situation herausgearbeitet und der Anlagemix gezimmert. Bei längerfristiger Anlage von mindestens fünf Jahren - drunter ist eine Finanzplanung sinnlos - kann dabei laut Jens Heinneccius, Vorstandsvorsitzender des Finanzberaters Sineus AG, von folgenden Nettorenditekorridoren ausgegangen werden:

>> - Aktien acht bis zehn Prozent;

>> - festverzinsliche Wertpapiere zwei bis 4,5 Prozent;

>> - Lebens- und Rentenversicherungen vier bis 6,5 Prozent;

>> - Festgeld zwei bis sechs Prozent;

>> - Immobilien zwei bis acht Prozent;

>> - alternative Investments (Hedge Fonds, Private Equity, Schiffsbeteiligungen etc.) vier bis zehn Prozent.

Wichtig sei eine jährliche Überprüfung der Struktur, bei der Gesetzesänderungen, Finanzinnovationen und eine Änderung der Lebensumstände einfließen sollten.

Allerdings können auch die Finanzplaner keine Wunder bewirken. Die CFM Commerz Finanz Management GmbH, die zum Commerzbank-Konzern gehört, hat ermittelt, dass ihre Kunden über die Beratung eine Nachsteuerrendite von durchschnittlich 5,46 Prozent erreichten gegenüber 4,27 Prozent auf eigene Faust. Nicht berauschend viel, könnte man sagen. Über einen Anlagehorizont von 30 Jahren - meist sind die Kunden Mitte 30 bis Ende 40 - kommen so aber über den Zinseszinseffekt Zehn- und Hunderttausende D-Mark zusätzlich zusammen.

Das größte Problem für den Anleger besteht darin, überhaupt einen seriösen Finanzplaner zu finden (Anlaufstellen für Finanzplaner).

Denn die Banken haben die Eintrittsbarrieren sehr hoch gelegt, mal sind es 100 000 DM liquides Anlagevermögen, mal 240 000 DM Jahreseinkommen plus frei verfügbarem Vermögen ab 250 000 DM, dann wieder fünf Millionen disponibles Vermögen. Ein Grund ist die teure Ausbildung für die Finanzplaner, die bei Berücksichtigung aller Kosten rund 50 000 DM betrage, wie Peter L. Pedersen, Geschäftsführer der Tutor-Unternehmensberatung, erklärt. "Die Banken reden gerne darüber. Aber sie halten zu wenige Fachleute vor", so Pedersen. Ein weiterer Grund für die Beratungsmisere sei das Festhalten am provisionsorientierten Verkauf. Dies führe zum Phänomen des "Ausschließlichkeitsberaters", der Konkurrenzangebote darstellt, letztlich aber doch nur die Produkte seiner Finanzgruppe absetzen will.

Ein Ausweg ist laut Pedersen die Honorarberatung, wobei gute Berater 200 bis 300 DM netto pro Stunde verlangten. Je nach Komplexität und Größe des Vermögens koste so eine einmalige Basisberatung mit anschließender Strukturierung 3 000 bis 12 000 DM, die laufende Beratung dann beispielsweise rund 500 DM pro Monat. Wichtig, falls der Berater auch Produkte kaufen soll: "Provisionen sollten grundsätzlich mit dem Honorar verrechnet werden", so Heinneccius von Sineus. Im Extremfall bekäme der Kunde dann sogar etwas zurückgezahlt.

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