Themen- und Branchenfonds erhöhen unnötig Risiken
Fondskommentar: Wind, Wasser, Luftblasen

Die Mode ist so hässlich, dass man sie alle sechs Monate ändern muss." Oscar Wilde meinte damit das textile Erscheinungsbild seiner viktorianischen Zeitgenossen. Heute muss indes nicht nur die Kleidung stets der neuesten Mode entsprechen.
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DÜSSELDORF. Es gibt auch Modenahrung (Sushi), Modehunde (Golden Retriever) und modernen Kaffee, der nicht mehr Kaffee heißt.

So weit, so gut. Wer lieber latte macchiato trinkt statt Milchkaffee, begeht damit noch keinen Fehler - er bezahlt meist nur ein wenig mehr fürs gleiche Vergnügen. Ärgerlich nur, wenn das Modebewusstsein der Anbieter die Qualität der Produkte sogar verschlechtert. Der Finanzbranche gelingt es immer wieder, die neuesten Modegags in Form schlechter Investmentfonds unters Volk zu bringen. Schlagworte, die dem Zeitgeist huldigen, zieren die Namen der Fonds - Kreationen aus den Marketingabteilungen der Banken eben. Zwar weiß jedes Kind, dass etwa Internet- und Biotechnologiefonds hochriskant sind. Schließlich hat der eine oder andere Anleger damit ziemlich viel Geld verloren.

Sobald aber nicht die Trends von gestern einem Branchenfonds den Namen geben, sondern die von heute, ist die Schmach vergessen. Man habe eben damals auf die falschen Themen gesetzt, sagen sich die Anleger, beim zweiten Mal wird alles besser. Doch eng gefasste Branchen- und Themenfonds widersprechen den beiden Grundprinzipien des Fondsinvestments: Risikostreuung und Langfristorientierung. Und zwar auch dann, wenn sie statt Internet nun modern Health, Wind oder - der letzte Schrei - Wasser heißen. Die Fondsgesellschaften verdienen kräftig an den knackig titulierten Modefonds: 2001 waren erstmals mehr als ein Viertel aller Aktienfonds in Deutschland Themenfonds.

Branchenfonds erhöhen unnötig die Risiken, enthalten sie doch fast zwangsläufig die immer gleichen Aktien, die wegen der hohen Nachfrage schnell teuer werden - Absturz programmiert. Und auf lange Sicht kommt jede Börsenmode so sicher aus derselben wie die jeweils jüngste Sommerkollektion. Im Nachhinein ist dann oft von hässlichen Blasen die Rede. Da hilft nur, alle sechs Monate dem Trend nachzurennen. Oder, noch besser, gar nicht erst mitzumachen.

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