Theo Waigel hielt letzte Bundestagsrede
„Mister Euro“ geht

Jetzt ist er Mensch, jetzt darf er's sein – Theo Waigel gehört nun ganz Ehefrau Irene und dem kleinen Sohn Konstantin. Seine 169. Rede im Bundestag war die letzte, die der CSU-Politiker und ehemalige Finanzminister am Donnerstag im Parlament gehalten hat. 30 Jahre lang – seit November 1972 – gehörte Waigel dem Bundestag an, knapp zehn Jahre war er in der Regierungszeit von Bundeskanzler Helmut Kohl der oberste Kassenwart der Nation.

dpa BERLIN. Ganz eng ist sein Name mit dem Euro und dem Stabilitätspakt verbunden, den er in nächtelangen Gipfelsitzungen der Europäischen Union ausgehandelt hatte. "Mister Euro" geht. Noch einmal stand der 63-Jährige hinter dem Rednerpult, von dem aus er vor allem in Bonn viele Wortgefechte mit der damals sozialdemokratischen Opposition und vor allem mit Ex-SPD-Chef Oskar Lafontaine geführt hatte. Sein Abschied sei ein Zeichen, dass er auch nach so langer Zeit als Berufspolitiker noch "resozialisierungsfähig" sei, sagte Waigel, ordnete die Blätter seiner Rede, blickte in das weite Rund des Plenums und bewegte sich auf seinen Abgeordnetenplatz zu.

Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD), dem er zuvor in für ihn sanfter Form noch einmal die politischen Leviten gelesen hatte, verabschiedete ihn mit Handschlag. Die Union applaudierte stehend. Kohl, der seinen alten Weggefährten schon bei bei einer internen Feier mit viel Bier und Wein gebührend verabschiedet hatte, war nicht mehr anwesend.

Mit Waigel verlässt ein "Urgestein" den ersten Rang der politischen Bühne, die er mit Politikern wie Willy Brandt, Franz Josef Strauß, Herbert Wehner oder Hans-Dietrich Genscher teilte. Noch einmal kramte er ihm Arsenal seiner Erinnerungen: Er ließ die deutsche Einheit Revue passieren, er sprach den Nachrüstungsbeschluss an und die Tatsache, dass nach der deutschen Vereinigung die sowjetischen Soldaten abgezogen und die Zahl der Atomwaffen reduziert wurde. "Wir haben Frieden geschaffen mit weniger Waffen", rief er stolz aus.

Waigel wird in seinen Heimatort Oberrohr in Mittelschwaben zurück kehren. Als Anwalt arbeitet er in der Kanzlei seines Sohnes aus erster Ehe. Seine Stimme werde fehlen, meinten die Vertrauten nicht ohne Rührung.

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