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Theo Zwanziger: „Wir machen kein Wischi-Waschi“

Ihre Wahl zum neuen geschäftsführenden DFB-Präsidenten am Wochenende in Osnabrück gilt als sicher. Ist die Party schon vorbereitet?

Ihre Wahl zum neuen geschäftsführenden DFB-Präsidenten am Wochenende in Osnabrück gilt als sicher. Ist die Party schon vorbereitet?

Theo Zwanziger: "Als großer Wahlsieger werde ich mich nicht feiern lassen. So etwas ist für mich nicht entscheidend. Ich freue mich aber, wenn ich diese Aufgabe übernehmen kann. Die Leute in Altendiez sollen mich weiterhin so nehmen, wie ich immer war. In unser Turnhalle wird es am Sonntag ein gemütliches Beisammensein geben, Kaffee, Kuchen und ein kleines Bierchen, mehr nicht. Selbstverständlich gebe ich das aus."

Alle gehen von der notwendigen Zwei-Drittel-Mehrheit aus, um die neue Doppelspitze beim DFB-Bundestag installieren zu können. Schließen Sie die ganz große Überraschung aus?

Zwanziger: "Es gibt keinen Plan B bei mir. Das habe ich auch allen so gesagt. Es gibt nur den Plan A, und den bitte ich zu unterstützen und nicht daran herum zu mosern mit der Überlegung, wenn dieser Plan scheitert, können wir nur den Zwanziger wählen. Falls die Doppelspitze abgelehnt würde, müssten alle Überlegungen von vorne beginnen. Und da ich ein sehr unabhängiger Mensch bin, weiß ich nicht, wie meine Entscheidung ausfallen würde. Aber es wird nicht eintreten."

Es gibt also das "kleinere Übel" eines Doppel-Präsidenten? Im Fußball würde ein Doppel-Trainer nicht gut gehen.

Zwanziger: "Das ist nicht zu vergleichen. Ein Präsident hat nach der Satzung eine ganz andere Aufgabe als ein Trainer. Er muss bestimmte Aufgaben erfüllen und diese sind beim DFB gestiegen. Wenn wir bei einer erträglichen Übergangslösung ein Teilung auf Zeit herbei führen, das ist nie schlecht."

Möglicherweise müssen Sie sich zurück nehmen, damit die Doppellösung mit dem bisherigen Chef Gerhard Mayer-Vorfelder funktioniert?

Zwanziger: "Ich bin ein Mensch, der an Aufgaben, die ihm übertragen sind, konsequent arbeitet. Ich werde allerdings nicht in einen Wettlauf mit Herrn Mayer-Vorfelder eintreten, in Bereichen, für die er verantwortlich ist. Das werde ich respektieren. Im übrigen haben wir ein Verhältnis miteinander, in dem es zu notwendigen Abstimmungen kommt. Wenn wir gewählt sind, werden wir uns über die neuen Rollen zu verständigen haben. Und das wird auch gelingen."

Wie sehen Sie ihre Rolle?

Zwanziger: "Ich sehe die plakative Wirkung des professionellen Fußballs, welche Bedeutung er für unseren ganzen Bereich hat. Aber ich sehe auch die kleinen Dinge in unserem Sport, die es verdient haben, öffentlich gemacht zu werden. Das hat Egidius Braun mit seinem Engagement für die sozialen Aufgaben des Fußballs glänzend verstanden. Diese Balance zwischen dem starken, medienwirksamen Profifußball und dem genauso bedeutenden kleinen Fußball will ich halten."

Begeben sie sich nicht in die Gefahr, selbst nur für die Amateure und den soziale Aspekt einzutreten, auf der andern steht Mayer- Vorfelder, der den Verband international und mit der Nationalelf repräsentiert?

Zwanziger: "Ich würde es nicht als Herabstufung empfinden, wenn ich mich nur um diesen Bereich kümmern würde. Da hängt mein Herz ein Stück dran. Aber ich weiß, wie das Bild der Medien ist. Das wäre auch der falsche Weg, jetzt zu signalisieren, wir machen hier einen Amateur-Präsident und dort einen für die Profis. Wir wollen zwar Selbstständigkeit für den professionellen Teil, aber wir wollen immer wieder die Verbindung zu den Amateuren. Außerdem haben wir eine klare Aufgaben-Verteilung vereinbart, und auf dieser Basis wollen wir kluge Lösungen finden. Wir machen kein Wischi-Waschi."

Wie sieht die Aufgabenteilung aus?

Zwanziger: "Ich bin federführend für die U21 und die Mannschaften darunter einschließlich des ganzen Trainerstabs mit Ausnahme des Bundestrainers. Für mich ist das eine sehr befriedigende, zukunftsorientierte Lösung. Für Gerhard Mayer-Vorfelder ist es wichtig, dass er bis zur WM 2006 die Nationalmannschaft federführend verantwortet. Er hat das Jahrzehnte gemacht und kann es auch. Gleichzeitig haben wir eine kleine Arbeitsgruppe gebildet, die wichtige Fragen gemeinsam entscheidet."

Wenn es kein "fauler Kompromiss" ist, warum läuft die Doppelspitze nur über zwei Jahre?

Zwanziger: "Da ist die WM das Entscheidende. Weil sich wichtige Herausforderungen spätestens mit dem 30. September 2006 erledigt haben. Man darf nicht vergessen, dass Mayer-Vorfelder und ich noch andere Funktionen beim WM-OK haben, die unsere Kraft binden. Die enden nun mal 2006, dann gibt es wieder ein normales Arbeitsfeld. Dann werden wir beide aus unseren Ämtern ausscheiden und der Bundestag hat die Gelegenheit, einen neuen Präsidenten zu wählen."

Ihr Interesse geht aber schon über 2006 hinaus?

Zwanziger: "Selbstverständlich, wenn ich das Gefühl habe, dass die Leute mich wollen. Wenn ich dieses Gefühl nicht habe, bin ich der Erste, der sagt, das hat keinen Sinn. Wenn die Verbände und auch der professionelle Fußball mir das Vertrauen aussprechen und ich gesund bleibe, dann werde ich kandidieren. "

Schlagzeilen haben zuletzt vor allem ihre Debatten mit Jürgen Klinsmann um das WM-Quartier gemacht. Ist Konsens in Sicht?

Zwanziger: "Es war nicht ganz unwichtig, uns ein bisschen aneinander zu gewöhnen auf allen Ebenen, dass muss auch manchmal öffentlich sein. Da sind Gespräche angedacht und vereinbart nach dem Bundestag. Es geht ja nicht mit dem Kopf durch die Wand. Mein Wunsch ist, bei so einer Entscheidung alle Facetten zu berücksichtigen. Man kann nicht einfach sagen, mich interessiert nur noch das Sportliche und nach mir die Sintflut. Es geht um die Abstimmung aller Bereiche. Ich denke, Konsens ist möglich."

Die Liga möchte eine Mitverantwortung für die Nationalelf, wie stehen Sie dazu?

Zwanziger: "Die Antragslage ist so, dass mit dem Doppelspitzen- Antrag bis 2006 alle entgegen stehenden Satzungs-Bestimmungen außer Kraft sind. Ein solcher Antrag der Liga, wenn er denn überhaupt eine Mehrheit bekäme, würde also erst ab 2006 gelten. Und dann ist Herr Mayer-Vorfelder nicht mehr Präsident, ich bin es vielleicht oder nicht. Unabhängig von dieser Betrachtung gehört die Nationalmannschaft zum DFB, das steht außer Zweifel, daran wird auch keiner etwas ändern."

Und wer hat die Verantwortung?

Zwanziger: "Das ist der DFB-Präsident. Und jeder DFB-Präsident wird die Verantwortlichen der Liga einbinden. Aber eine satzungsmäßige gleichberechtigte Stellung zwischen der DFL als Mitglied im Verband und dem DFB - das kann man nicht machen."

Gibt es bald ein neues Präsidenten-Büro in Altendiez?

Zwanziger: "Ich wohne sehr nahe an Frankfurt, es wäre absoluter Wahnsinn, da ein Büro zu eröffnen. Ich trenne auch den privaten Bereich von dem beruflichen sehr stark. Ich habe eine gute ICE- Verbindung und fahre von Altendiez in die DFB-Zentrale unter einer Stunde. Außerdem fahre ich gern Zug, weil das die Gelegenheit gibt, etwas zu lesen und zu studieren."

Jens Mende und Oliver Hartmann, dpa

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