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Theorie und Praxis bei Fonds

Irgendwie scheint Bernd Förtsch das nötige Glück verlassen zu haben. Jahrelang dominierte er mit dem von ihm betreuten DAC UI Fonds die Fondshitparaden - und zwar um Längen. Doch seit die Kurse an den Weltbörsen gen Süden streben, schmilzt der ehemals stolze Performance-Vorsprung des DAC vor der Konkurrenz wie Schnee in der Sonne. Der Grund: Förtsch setzt seit jeher auf kleinere Technologiewerte - und gerade die hat es in den letzten Monaten besonders schlimm erwischt.

22.06.01 Dazu hat der Anlageprofi auch beim Timing nicht gerade das richtige Händchen bewiesen. Zuerst trennte er sich im Laufe des vergangenen Jahres von vielen seiner Internet- und Softwarewerte, um Biotechnologiewerte wie zum Beispiel Morphosys oder Biogen überzugewichten. Deren Kurse hielten sich in der ersten Abwärtsbewegung relativ gut. Als es auch bei denen abwärts ging, fuhr Förtsch auch diese Positionen zurück. Zu früh, wie sich herausstellte, denn die Erholung der Biotechs im laufenden Jahr hat der DAC deswegen verpasst.

So musste er seit Jahresanfang ein Minus von 28 Prozent hinnehmen, während zum Beispiel der reinrassige Pictet Biotech-Fonds im gleichen Zeitraum einen Zuwachs von 27 Prozent erwirtschaftete. "Bei einem Branchenfonds können solche Schwankungen vorkommen, aber für einen vermeintlich breit aufgestellten internationalen Aktienfonds ist das kein gutes Zeichen", sagt Iris Albrecht, Vorstand der fondsbasierten Vermögensverwaltung Fonds-Kapital.

Dabei gelten international investierende Aktienfonds in unsicheren Zeiten als erste Wahl, wenn der Anleger Dividendentiteln treu bleiben will. Denn die Fondsverwalter streuen die Gelder ihrer Kunden auf viele verschiedene Märkte und Titel und senken so das Risiko. So weit die Theorie. In der Praxis stehen und fallen die Ergebnisse der Fonds allerdings mit der individuellen Strategie des Managements. Das klingt banal, erweist sich aber für den Anleger als entscheidendes Einstiegskriterium. Zwei Philosophien sind es dabei vor allem, die zurzeit um ihre Überlegenheit wetteifern: Value und Growth. Die Anhänger des Value-Ansatzes gehen dabei nach der Bottom-up-Methode vor. Sie durchforsten die einzelnen Märkte bewusst nach unterbewerteten Titeln - in der Erwartung, dass sich diese auf lange Sicht besser entwickeln als der Markt. Bis vor etwas mehr als einem Jahr war mit diesem System allerdings lange kein Blumentopf zu gewinnen. An der Börse wurden Wachstumswerte aus den Bereichen Telekommunikation, Technologie, Medien - landläufig TMT-Sektor genannt - geradezu in den Himmel gehoben. Folglich machten Fonds, die auf diese Bereiche setzten, in Auswertungen das Rennen.

Doch in den letzten Monaten feiern die lange Zeit verpönten Substanztitel ein Comeback - und mit ihnen die entsprechenden Fonds. Der Templeton Growth Fund zum Beispiel, einer der Klassiker dieses Managementstils, rangierte in der Fondsauswertung von Standard & Poor's vor einem Jahr unter "ferner liefen". Im aktuellen Vergleich erzielte er dagegen mit 17 Prozent die zweitbeste Jahresperfomance unter den rund 340 internationalen Aktienfonds. Und solange die Konkurrenz mit Growth-Ansatz weiter Federn lassen muss, ist es für den stabilen Templeton nur eine Frage der Zeit, bis er wieder unter den Top Ten landet. "Das Beispiel zeigt, wie gefährlich es ist, Fonds nur nach der kurzfristigen Rendite- und Ratingliste zu kaufen", sagt Günter Schlösser, Geschäftsführer der Kölner Vermögensberatung Portfolio-Concept. "Fonds, die sich über einen langen Zeitraum in der Spitzengruppe halten, sind erste Wahl."

Nicht jeder Fonds schafft es dabei, mit der Bürde des Erfolgs fertig zu werden. "Wer ganz vorne in den Hitparaden liegt, verzeichnet in der Regel hohe Mittelzuflüsse", weiß Fondsexpertin Albrecht. "Nicht immer kann das Management dieses Geld auch anlegen, ohne dabei von der ursprünglich eingeschlagenen Strategie abzuweichen." Fondsanleger kaufen aber in diesem Punkt die Katze im Sack. Sie müssen sich nicht nur vorher ein Bild davon machen, mit welchem Investmentansatz der Manager seine Performance erwirtschaftet, sondern sich auch darauf verlassen können, dass er sich auch in Zukunft daran hält.

Fondsberaterin Albrecht rät deshalb dazu, neben dem Investmentansatz auch einen Blick auf die Anlagegrundsätze zu werfen. "Wenn der Fondsmanager alle Freiheiten der Welt hat, kann das für den Anleger im Extremfall zu einem unkalkulierbaren Abenteuer werden", warnt sie. Sie empfiehlt eine Kombination von zwei oder mehreren genau definierten Fonds: einen, der sich ausdrücklich auf Standardwerte konzentriert, und einen zweiten, der zum Beispiel stärker in Wachstumstitel aus einzelnen Branchen anlegt.

Doch wie soll Otto Normalanleger an all diese Informationen herankommen und sie dann auch noch auswerten? Eine der besten Quellen dafür ist das Internet. Dort veröffentlichen zum Beispiel die großen Fondsgesellschaften auf ihrer Homepage regelmäßig Monatsauswertungen, Fondsporträts und Depotaufstellungen. Angaben über das Fondsvolumen, die größten Positionen und ihr Gewicht am Gesamtvermögen liefern in vielen Fällen bereits Hinweise auf die Ausrichtung des Fonds. Ein dynamischer Fonds zum Beispiel konzentriert sich im Idealfall nur auf 30 oder 40 Werte. Das erhöht zwar das Risiko, gleichzeitig aber auch die Renditechancen. Bei marktbreit orientierten Fonds liegt der Anteil der größten Positionen nicht selten unter ein oder zwei Prozent.

Darüber hinaus treibt das üppige Angebot - mittlerweile sind über 4 000 Fonds in Deutschland zum Vertrieb zugelassen - Spezialisten wie Schlösser und Albrecht die Kunden zu. Die beobachten nicht nur laufend den Markt und schauen sich einzelne Fonds genau an. Sie fühlen bei Gelegenheit auch mal dem Fondsmanager persönlich auf den Zahn. "Wenn wir dann sehen, dass sich an der Ausrichtung eines Fonds etwas ändert, sprechen wir unsere Kunden an", so Albrecht.

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