Thesis zeigt ungewöhnliche Linien und Qualitäten
Lancia will sich wieder zu einer Edelmarke mausern

Die schon von vielen totgesagte Marke Lancia stemmt sich mit einem gelungenen Edelautomobil gegen den Niedergang. Der Thesis knüpft als erstes Modell seit langem wieder an die große Tradition von Lancia an. Er ist vor allem für avantgardistische Kunden eine interessantes Angebot.

MAILAND. Nach Jahren der Lethargie und einer wenig überzeugenden Modellpolitik scheint Lancia jetzt an einem Wendepunkt zu stehen. Zumindest lässt das neue Flaggschiff der Nobelmarke im Fiat-Konzern die Hoffnung keimen, dass Lancia wieder an bessere Zeiten anknüpfen kann.

Denn mit dem Thesis ist ein ausgesprochen interessantes Fahrzeug entstanden. Sein elegantes Karosseriedesign, gespickt mit unkonventionellen Stilelementen wie den rombenförmigen Scheinwerfern, der stattlichen Kühlermaske oder den sichelartigen Rückleuchten, machen den Thesis trotz klassischer Linienführung nahezu unverwechselbar und damit interessant für avantgardistische Kundenkreise.

Großzügiges Platzangebot dank üppigem Radstand

Zudem verfügt der große Lancia (4,90 m) dank eines üppigen Radstands von 2,80 m über ein großzügiges Platzangebot in einem sehr geschmackvollen Ambiente. Mahagoniholzleisten ziehen sich durch das gesamte Interieur, hochwertiges Magnesium findet sich an der Mittelkonsole und am Schalttunnel. Die Sitze sind mit feinstem Leder (alternativ mit Alcantara oder edlem "Lancia-Tuch") bezogen. Zum ersten Mal kann auch die Verarbeitungsqualität überzeugen, was zum Werterhalt beitragen dürfte.

Bei der Sicherheitsausstattung verordnet der Fiat-Konzern seinen Töchtern den Einsatz aller möglichen, modernen Systeme. ABS, acht Airbags, Stabilitätsprogramm (ESP) sowie Antriebsschlupfregelung (ASR) gehören im Lancia Thesis zur Grundausstattung. Hinzu kommem so angenehme Dinge wie schlüsselloses Zugangssystem, Klimaautomatik und eine elektronische Feststellbremse.

Nachdem Lancia die komfortorientierten Konsumenten ansprechen soll, haben sich die Entwickler mit der Fahrwerksauslegung größte Mühe gegeben. Sanft gleitet der frontgetriebene Thesis über Bodenunebenheiten hinweg. Je nach Fahrstil und Geschwindigkeit passen sich Stoßdämpfer und Lenkung den Gegebenheiten an. So wird im Thesis stets ein optimaler Fahrkomfort gewährleistet.

Lancia tut es den meisten Premiumanbietern gleich, indem das Topmodell zunächst nur mit einem starken Drei-Liter-Sechszylindertriebwerk (215 PS) angeboten wird. Es glänzt mit geschmeidiger Leistungsentfaltung. Bei niedrigen und mittleren Drehzahlen ist das Geräuschniveau an Bord sehr gering, ruft der Fahrer aber die volle Leistung ab (240 km/h), meldet sich der aus dem Alfa 166 bekannte Sechszylinder mit sonorem, keineswegs unangenehmem Ton. Kombiniert wird der Spitzenmotor im Lancia Thesis serienmäßig mit einer seidenweich schaltenden Fünfgangautomatik .

Thesis soll S-Klasse ärgern

Kurz nach der Markteinführung im kommenden Frühjahr wird die Palette nach und nach um Vier- und Fünfzylinder-Benziner (175 und 185 PS) sowie zwei Turbodieselmotoren (175 und 181 PS) ergänzt. Zu Preisen zwischen 35 000 und 45 000 Euro tritt der Lancia Thesis in einer Klasse mit Mercedes E, 5er BMW, Audi A6 und Jaguar S-Type an. Fiat-Autochef Roberto Testore glaubt sogar, der guten Qualitäten wegen könnte der Thesis die Mercedes S-Klasse ein wenig ärgern.

Doch allenfalls Automobilisten mit ausgeprägtem Hang zum italienischen Lebensstil dürften in dem neuen Lancia- Flaggschiff eine Alternative zur Stuttgarter Spitzenklasse sehen.

Einer realistischen Markteinschätzung zufolge planen die Italiener bei den Verkaufszahlen eher vorsichtig. Zunächst gehen sie von 25 000 verkauften Einheiten pro Jahr aus. Erst wenn der Erneuerungsprozess der Marke Lancia in den nächsten vier Jahren mit entsprechenden Abstrahleffekten auf die Modelle unterhalb des Thesis abgeschlossen sein wird, lässt sich beurteilen, ob die 500 Mill. Euro die das Projekt insgesamt verschlungen hat, eine lohnende Investition in die Zukunft der norditalienischen Traditionsmarke waren.

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