Thichys Wechselstube
Multikulti in Bankfurt

Frankfurt ist die deutsche Großstadt mit den meisten Einwanderern – ganz ohne Aufregung, brennende Autos und weinerliches Kreuzberger Allerlei. Auf diesem Messe- und Finanzplatz ist Multikulti von je her Geschäftsmodell. Ein Handelsblatt-Kommentar zum Elite-Banker von Morgen.

Kürzlich war ich auf der Suche nach einem Kindergartenplatz in Frankfurt, Ecke Bankenviertel.

Es hat sofort geklappt, und ohne Antrag mit Eingangsstempel vom Zeugungstag. Geholfen hat der Minderheiten-Bonus: Die Kita-Chefin hat die Warteliste außer Kraft gesetzt, weil sie sich freut, dass auch mal wieder ein deutsches Kind kommt. Kurz danach war allerdings eine längere logopädische Therapie erforderlich. Die frechen Türkenbuben mit ihrem akzentfreien Deutsch haben gekreischt vor Lachen, weil der letzte Germane immer das r wie ein l splicht - ilgendwie chinesisch.

Diese Integrationsleistung hat sich herumgesprochen – der Economist hat in seiner Deutschland-kritischen Story Frankfurt zum Vorreiter der deutschen Integrationspolitik gekürt.

Das kommt auch vom „Amt für Multikulturelle Angelegenheiten“ und Kursen wie „Mama lernt Deutsch“. Bei allem sonstigen Unfug ist dies ein bleibender Verdienst von Daniel Cohn-Bendit und den Grünen – ein Erbe, das heute die CDU in Bankfurt eifrig pflegt. Es ist der Nährboden, auf dem eine Europäische Zentralbank, Hunderte von Auslandsbanken, globale Law-Firms und der schnelle Durchsatz von Ex-Patriots funktionieren können.

40 Prozent der heutigen Frankfurter haben Migrationshintergrund, wenn man Aussiedler und jüdische Zuwanderer dazu zählt. Damit ist Frankfurt die deutsche Großstadt mit dem höchsten Anteil an Zuwanderern, ganz ohne Aufregung, brennende Autos und weinerliches Kreuzberger Allerlei.

Ist es die fortwirkende Tradition eines Messe- und Finanzplatzes, wo Multikulti von je her Geschäftsmodell ist, und dessen Industrien heute Vorreiter der Globalisierung sind? Vermutlich, denn auch in der Londoner City wirkt diese dynamische Vermischung von Rassen, ethnischen Gruppen und Nationalitäten, sind in den modernen Sweat-shops der Handelssäle die Aufsteiger aus Pakistan und Indien überdurchschnittlich vertreten.

Und dann vermischt es sich weiter, wenn die Großbanken ihre denglisch-speakenden Trainees zwecks Improvement der Social Responsibility zu den Asi-Kids der Äppelwoi-Bronx schicken. Möglicherweise kommt der Elite-Banker von Morgen aus dem dynamischen Schmelztiegel und nicht aus der vornehmen Taunus-Tristesse.

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