Thiel-Aktie auf Erholungskurs
Anlegervertrauen kommt in Trippelschrittchen zurück

Nach dem Worldcom-Schock haben sich die Kurse am Neuen Markt gestern wieder etwas erholt gezeigt. Trotz der positiven Vorzeichen schaffte der Auswahlindex Nemax 50 mit Mühe die 600-Punkte-Marke. Der Nemax kletterte um 3,2 Prozent auf gerade einmal 654 Punkte.

FRANKFURT/M. Vier Prozent sind auch nicht mehr das, was sie einmal waren. Zumindest am Neuen Markt, an dem ja vieles völlig anders ist, als jedermann vor zwei Jahren noch glaubte. In Punkten ausgedrückt haben die vier Prozent, die das Kursbarometer Nemax 50 in der technischen Gegenreaktion auf das Worldcom-Debakel wieder gut gemacht hat, jedenfalls überhaupt nichts mehr mit den 4 % zu tun, die es vor zwei Jahren noch an einem ruhigen Handelstag üblicherweise zulegte. Die standen zeitweise nämlich für 300 Zähler absolut, jetzt sind es gerade einmal 24. Ein Wort zum Trost: Der Teuro ist nicht schuld an dem Debakel, denn Aktien werden ja schon viel länger nicht mehr in DM gehandelt als Eisbällchen und Salatgurken. Der Aktienmarkt hätte eine Verteuerung durch die Währungsumstellung allerdings gut gebrauchen können.

Die größten Kursgewinne verzeichneten die Titel, die in den Vortagen besonders heftig geprügelt worden waren. So legten die Aktien der SAP SAP-Tochter SI um fast 14 % auf 8,47 Euro zu. Der Kurs war seit dem vergangenen Freitag um 19 % eingebrochen. Die Papiere des Spezialmaschinenbauers Steag Hamatech kletterten sogar um beeindruckende 16 % auf 3,90 Euro, nachdem sie zuvor gut ein Drittel an Wert eingebüßt hatten.

Zu den größten Gewinnern zählten auch die Papiere des Medizintechnikers W.O.M. World die sich um 23,3 % auf 3,70 Euro verteuerten. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben von Silicon Sensor Patente für Krebsdiagnostik-Sonden übernommen.

Getragen wurde die Erholung jedoch vor allem durch die Kursgewinne für den Logistik-Dienstleister Thiel. Die Aktie, die seit Jahresbeginn eine rasante Talfahrt hinter sich gebracht hat, obwohl es keine negativen Nachrichten über das Unternehmen gab, legte bei hohen Umsätzen zeitweise um mehr als 7 % zu. Sie schloss mit einem Plus von 5,33 % bei 3,95 Euro. In einer von Thiel geschalteten Finanzanzeige erklärt die bisherige Großaktionärin Lorenzo Holding S.A., warum sie mit ihrem Ausstieg bei Thiel dem Aktienkurs vor ein paar Tagen einen weiteren Stoß versetzte. In dem zitierten Brief an Unternehmenschef Günter Thiel heißt es, die Entwicklung des Unternehmens seit der Erstnotiz habe für Lorenzo bedeutet, "permanent im Blickpunkt der Öffentlichkeit zu stehen". Insbesondere bei Kursschwankungen seien ununterbrochen Analysten und Investmentbanken auf Lorenzo zugekommen, die sie für diese Kursschwankungen verantwortlich machten und nach Gründen für vermeintliche Verkäufe fragten. Ob diese Erklärung den Markt wirklich überzeugte oder ob es sich um eine technische Reaktion auf den Kursverfall handelt, wird für immer ungeklärt bleiben.

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