Thierry Breton findet große Zustimmung an den Finanzmärkten
Neuer Chef vor alten Problemen

Wenn Thierry Breton am Mittwoch an die Spitze von France Télécom berufen wird, wird er einen harten Sparkurs ausrufen. Doch mit Kostensenkungen allein kann er den Telefonkonzern nicht flott machen.

PARIS. Am Mittwoch Vormittag will der Verwaltungsrat von France Télécom S.A. (FT) einen neuen Vorstandsvorsitzenden für den zur Hälfte in französischem Staatsbesitz befindlichen Konzern berufen. Nach Information aus Regierungskreisen wird Thierry Breton, bisher Vorstandschef von Thomson Multimedia S.A. (TMM), den Posten übernehmen. "Das wird den Märkten gefallen", sagte Antoine de Montille, Analyst bei Dexia Securities. "Breton hat TMM saniert und gilt als guter Kommunikator." Die Aktie des Telefonkonzerns legte bis zum Nachmittag stärker als der Markttrend zu und gewann fast 4 % auf 7,20 Euro. Breton will sich zwei Monate Zeit für eine Bestandsaufnahme bei dem Konzern nehmen, meldete die Zeitung "Le Monde".

Gegenüber der Regierung habe er sich weitgehende Handlungsfreiheiten bei FT erkämpft. So erwarten Unternehmenskreise und Analysten in Paris, dass gleichzeitig mit der Aufsichtsratssitzung eine Reihe weiterer Entscheidungen getroffen werden. Denn der Wechsel an der Vorstandsspitze gibt laut Merrill- Lynch-Analystin Laura Mills zwar Hoffnung auf einen Umschwung bei FT, reicht aber bei weitem nicht aus. So glaubt man in Konzernkreisen, dass Breton eine Trennung des Verwaltungsrates in Vorstand und Aufsichtsrat, eine Neuregelung der Kontrolle des Staates sowie Stellenstreichungen durchgesetzt hat.

Analysten zufolge hat FT mit 205 000 Mitarbeitern ein Siebtel zu viel Personal an Bord. Am wichtigsten wäre indes die Bereitschaft des Staates, seinen bisher gesetzlich fixierten Anteil auf unter 51 % zu reduzieren und damit eine Rekapitalisierung der auf 8,5 Mrd. Euro Börsenwert abgesunkenen Gruppe zu ermöglichen. In Finanzkreisen ist man sich sicher, dass Wirtschafts- und Finanzminister Francis Mer den Widerstand der französischen Politik dagegen gebrochen hat und bereit ist, den Konflikt mit den 2 Millionen Kleinaktionären der Gruppe zu riskieren. Im September hatte Mer Kapitalmaßnahmen von einer Besserung der Lage am Aktienmarkt abhängig gemacht. So lange wird Breton nicht warten wollen.

"Eine Kapitalerhöhung steht unmittelbar bevor", glaubt Analystin Mills. Außerdem wird der neue Chef bei FT mit eisernem Besen kehren. "Seine Berufung fällt mit drastischen Kostenreduktionen zusammen, die noch vom alten Management vorbereitet wurden", sagt Jean-Noël Vielle, Analyst beim Brokerhaus Aurel Leven. Dagegen behauptet "Le Monde", die Rationalisierungen seien vorerst auf Eis gelegt. Ohnehin hätten sie mit 6 Mrd. Euro Einsparungen im Jahr nur wenig zum Abbau der 65 Mrd. Euro Schulden von France Télécom beitragen können. Sie sollten nach Meinung des Blattes vor allem Ratingagenturen besänftigen. Wer Breton an der Spitze von TMM beerben wird, ist noch nicht heraus. Breton will TMM nicht ohne Nachfolger verlassen. Nur eine Stabübergabe an Stellvertreter Franck Dangeard oder den mit Breton befreundeten früheren Air-France-Chef Christian Blanc würde laut Analysten die Kontinuität bei der mit 4,4 Mrd. Euro bewerteten TMM sichern. Dabei wäre Breton leichtsinnig, wenn er nicht einen engen Vertrauten zu FT mitnähme. Dort bietet sich Konzernkreisen zufolge vor allem die Ablösung des Finanzchefs Jean-Louis Vinciguerra an.

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