Thomas Cook:
"Djerba nur vorübergehender Dämpfer für Tourismus"

Der Anschlag auf eine Synagoge im tunesischen Djerba hat den deutschen Touristen nach Ansicht von Thomas-Cook-Chef Stefan Pichler nur vorübergehend die Lust auf Urlaub verdorben.

Reuters STUTTGART. Der Anschlag auf der Urlaubsinsel, bei dem 14 Deutsche ums Leben kamen, sei zu einem Zeitpunkt gekommen, als die Buchungen für die Sommersaison normalerweise anzögen, sagte Pichler am Donnerstagabend vor dem Stuttgarter Wirtschaftspresse-Club. "Das hat der Industrie in Deutschland einen Dämpfer versetzt", fügte er hinzu. Die Reisekonzerne hätten vorübergehend eine geringere Auslastung verzeichnet, da sie ihre Kapazitäten nicht rasch genug hätten anpassen können. Einen nachhaltigen Effekt habe der Anschlag auf Djerba aber nicht gehabt.

Der Anschlag sei nur in Deutschland ein Thema gewesen, sagte Pichler weiter. Doch hätten auch hier nur etwa zehn Prozent der Tunesien-Reisenden die Gelegenheit genutzt, auf ein anderes Ziel umzubuchen. Auf die Anschläge vom 11. September hätten dagegen britische Urlauber zunächst weit stärker reagiert als deutsche. Die Verantwortung für die Verunsicherung maß der Cook-Chef den tunesischen Behörden zu, die zunächst versucht hatten, den Anschlag als Unfall darzustellen. Dies habe den Vorfall so lange in den Schlagzeilen gehalten. "Das macht den Leuten nicht gerade Lust auf Urlaub", sagte Pichler. Das in Deutschland führende Flug-Buchungsunternehmen Start Amadeus hatte im April nur einen vorübergehenden Rückgang der Buchungen festgestellt.

Für die Sommersaison 2002 rechnet der weltweit drittgrößte Tourismuskonzern laut Pichler mit einem Rückgang der Buchungen um sechs bis acht Prozent. Im laufenden Geschäftsjahr 2001/02 werde die Zahl der Pauschalurlauber bei Cook dadurch um einen höheren einstelligen Prozentsatz zurückgehen. Im Winter hatte Thomas Cook einen zweistelligen Einbruch der Urlauberzahlen verzeichnet. Im Herbst 2001 hatte der Konzern, der je zur Hälfte der Lufthansa und dem Handelskonzern Karstadt gehört, ein 530 Mill. Euro schweres Sparprogramm aufgelegt und trotz eines Umsatzeinbruchs sein operatives Ergebnis im ersten Quartal konstant gehalten.

Einen Verlegung des Konzernsitzes von Thomas Cook, der in Oberursel bei Frankfurt angesiedelt ist, wollte Pichler nicht ausschließen. "Wir sind da sehr flexibel", sagte er. Konkrete Planungen gebe es aber nicht. Wo die Holding ihren Sitz habe, sei letztlich egal. Die aus NUR und Condor entstandene C & N Touristic hatte nach der Übernahme der britischen Thomas Cook 2001 deren Namen übernommen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%