Thomas Deisenberger, 39, ist Chef des DSF in Ismaning bei München
Wie fühlt man sich eigentlich, Herr Deisenberger....

... als Chef eines Privatsenders, wenn man von den öffentlich-rechtlichen Sendern mit deren Werbe-Aktivitäten im Programm noch überholt wird?

"Ich bin massiv verärgert. Die öffentlich-rechtlichen Sender nutzen ausufernd redaktionelle Nischen für eine zunehmende Kommerzialisierung. Das Wetter haben sie versponsert, den Sport sowieso, trickreiches Sponsoring vor der "Tagesschau", Placements in Shows und selbst im Frühstücksfernsehen prosten sich die Moderatoren gut erkennbar mit Tassen ihres Sponsors zu. Dazu die Gebühreneinnahmen - und dennoch der Ruf nach noch mehr Gebühren. Die Schieflage zwischen den Öffentlich-rechtlichen und den Privatsendern nimmt zu. Wir als Sender und Unternehmen arbeiten sehr hart daran, das Unternehmen auf sichere Füße zu stellen und kämpfen um jeden Euro. Die Öffentlich-rechtlichen bemächtigen sich zunehmend der Instrumente, die Privatsender zum Überleben benötigen.

ARD und ZDF kopieren schlicht Vermarktungselemente: Wie man Marken kreativ einbindet ins Programm, wie Sponsoring funktioniert und wie man verkaufte Gewinnspiele in der Verwertungskette einsetzt. Damit werden zusätzliche Erlösquellen gewonnen, einem schrumpfenden Werbemarkt entzogen und als Trumpf im Wettbewerb um weitere Sportrechte herangezogen. Der Gipfel ist, dass sie sich nun noch die Mehrwertdienste erschließen: Die spielen allein beim "Tor des Monats", das die TV-Zuschauer via Telefon bestimmen, mindestens fünf Millionen Euro pro Jahr ein. Spätestens dieser Erlös schlägt dem Fass den Boden aus. Grundversorgung lautet der Auftrag für das gebührenfinanzierte Programm, das einem vehementeren Verzicht zu unterliegen hat. Und je mehr ich darüber nachdenke, um so mehr ärgere ich mich über diesen ungleichen Wettbewerb.

Die Frage stellten Joachim Hofer und Claudia Tödtmann.

Thomas Deisenberger, 39, ist Chef des DSF Deutsches Sport-Fernsehen in Ismaning bei München.

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