Thomas Haas verliert in Paris und vertraut blind der Zukunft
Thomas Hass: Die besten Jahre noch vor sich

all PARIS. Auf der Tribüne gaben die engsten Getreuen das Beste, um ihren Mann trotz aussichtsloser Mission bei Laune und Motivation zu halten. Doch ob nun der alte Tennis-Soldat Nick Bollettieri, sein feuriger Hilfssheriff David "Red" Ayme oder der aggressiv mitgehende Daviscup-Coach Carl Uwe Steeb aufmunternd Parolen auf den Centre Court brüllten - die bittere und ins Mark gehende French-Open-Drittrundenniederlage von Thomas Haas war auch durch lautstarke Plattitüden nicht zu verhindern.

Es kam am Ende, wie es nach Wochen einer wahren Irrfahrt durch die Tennis-Welt kommen musste: Geschlagen und niedergeschlagen trottete der 22-jährige nach einer 6:7, 3:6, 3:6-Pleite gegen den Russen Marat Safin vom Platz. Ein desillusionierter Hoffnungsträger, der beim großen Grand-Slam-Spiel einmal mehr zur Randfigur geschrumpft war. "Das hätte nicht passieren dürfen", jammerte Haas nach seinem Knock-out gegen einen 20-jährigen Kontrahenten, der ihn inzwischen spielerisch in seiner Karriereentwicklung überholt hat.

Haas ist nicht erst seit dem vergangenen Wochenende gefährdet, sein Talent zu verschenken und seine aussichtsreiche Perspektive im Profitennis zu zerstören. Das schwankende, zu sehr auf Zufall angelegte Spiel von Haas entspricht ganz konsequent den Irrungen und Wirrungen, die er sich abseits seines Arbeitsplatzes leistet. Im System Haas sind auch nach drei langen Lehrjahren keine Ordnung, kein Plan und keine Struktur erkennbar. Haas selbst macht daraus auch gar keinen Hehl: Schon nach dem chaotisch verlaufenen Zweitrundenmatch gegen den Italiener Gaudenzi bekannte der deutsche Amerikaner offen, er habe nicht gewusst, "wie ich meine Turnierplanung vor Paris gestalten sollte". Kommt einer Haas aber mit Kritik und Skepsis, schaltet der wie genormt auf die vertraute Melodie vom fernen Zukunftsglück: Er sei noch jung, müsse immer noch viel lernen und habe die "besten Jahre erst vor sich". Manche, die ihn seit Beginn seiner Karriere kennen, haben das auch schon gehört, als er noch 18, 19 Jahre jung war. "Haas redet wie einer, der viel Zeit hat", meint Branchenkenner Günther Bosch, "dabei müsste sein Durchbruch sehr bald kommen."

Als im ersten Satz des Zweikampfs mit Safin die Entscheidung über Sieg und Niederlage fiel, vergab Haas viermal hintereinander eine 30:0- Führung bei Aufschlag des Russen. "Wie ein Idiot" habe Haas seine Chance vermasselt, bemerkte Frankreichs Ex-Daviscup-Chef Yannick Noah später drastisch.

Vom problematischen Umfeld des so genannten Trainergurus Nick Bollettieri konnte und wollte sich Haas nie lösen. Haas wohnt in einem Appartment innerhalb der Ausbildungsakademie von Bollettieri, genießt Sonne und Strand und süßes Leben, fährt seine Sportwagen spazieren - und wenn ihm danach ist, bestellt er natürlich auch seine Trainer zur Übungseinheit heran. Hinzu kommt bei Haas ein Vater, der das Image des Tennissohns zusätzlich verhagelt.

Eine gute Stunde nach dem besiegelten French Open-Aus traf Haas im Presseraum des Stadions Roland Garros ein. Dieses und jenes wurde diskutiert, dann folgte der denkwürdige Schlussdialog. Mit welchen Beratern wollen Sie in den nächsten Wochen zusammenarbeiten? "Wir werden sehen", sagte Haas. Gibt es eine Vorstellung, wen Sie gern an Ihrer Seite hätten? "Wir werden sehen", sagte Haas. Und was rechnen Sie sich für die Rasensaison aus? "Schaun mer mal", sagte Haas.

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