Thomas Hey, 36, ist Arbeitsrechtler bei der Anwaltskanzlei Clifford Chance in Düsseldorf: Wie fühlt man sich eigentlich, Herr Hey...

Thomas Hey, 36, ist Arbeitsrechtler bei der Anwaltskanzlei Clifford Chance in Düsseldorf
Wie fühlt man sich eigentlich, Herr Hey...

wenn man als Anwalt zweimal dasselbe Gesetz von verschiedenen Regierungen präsentiert bekommt?

"Im ersten Moment war ich sehr erstaunt. Dann fühlte ich mich auf den Arm genommen. Ich konnte es gar nicht glauben und habe offiziell nachgefragt, was das denn sollte: Dieselben Regelungen von 1996 jetzt noch einmal zu verabschieden. Die Antwort: "Wir wollen keine Experimente." Der Vorteil sei, man müsse das Rad nicht immer wieder neu erfinden, zu diesen Paragraphen gebe es schon Rechtsprechung. Ein neues Gesetz hätte nur neue Fragen für die Arbeitsgerichte aufgeworfen. Sogar die Texte im Gesetz sind identisch. Neue Ideen gibt es nicht. Ich habe den Eindruck, es ist langsam egal, wen man wählt. Besonders grotesk: Die letzte Regierung hinterließ schon vier Millionen Arbeitslose. Dieses Gesetz war unter Blüm in Kraft getreten. Schon damals hat es nicht gewirkt. Dann schaffte es die SPD 1998 als erste Amtshandlung in einer Nacht- und Nebel-Aktion ab, weil es nicht ihrem Verständnis von Arbeitnehmerschutz entsprach und - weil es ohnehin erfolglos gewesen war und nicht für neue Arbeitsplätze gesorgt hatte. Das war zumindest schlüssig. Heute verkaufen uns dieselben Leute das Gesetz zur Reform am Arbeitsmarkt - obwohl es mit diesem Instrument schon einmal nicht geklappt hat. Aber eigentlich habe ich ja keine Gefühle für Gesetze, die hebe ich mir lieber für Menschen auf.

Die Frage stellte Claudia Tödtmann

*Clifford Chance ist eine der fünf größten Kanzleien weltweit. Es geht um die Änderungen im Kündigungsschutzgesetz wie Sozialauswahl, Beschränkung der Kriterien der Sozialauswahl und die Herausnahme der Leistungsträger, samt der Einführung einer Namensliste beim Interessensausgleich.

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