Thomas Holtrop erwarten als neuer Vorstandsvorsitzender schwere Monate
T-Online: Die Hauptsache ist ein neuer Chef

Der designierte T-Online-Chef Thomas Holtrop ist nicht zu beneiden. Auf den Banker, der ab Januar das Steuer bei Europas größtem Internet-Zugangsanbieter übernimmt, wartet nicht nur jede Menge Arbeit, er muss auch in eigener Sache überzeugen.

HB DÜSSELDORF. Da sind zum einen die Investoren, deren Reaktionen auf die Berufung eines Bankmanagers als neuen Herrn ins T-Online-Haus wenig euphorisch stimmen: zu wenig Interneterfahrung, zu wenig Medienerfahrung, heißt es. Das Wichtigste an der Personalie sei, dass überhaupt jemand für den seit Monaten vakanten Chefsessel gefunden wurde, kommentierten Analysten.

Die viel wichtigere Schlacht wird Holtrop jedoch im eigenen Hause schlagen müssen. Innerhalb weniger Monate muss er den Techniktanker T-Online mit europaweit mittlerweile sieben Millionen Kunden von einem Internet-Zugangsanbieter endlich ernsthaft in ein Online-Verlagshaus umbauen.

Sein Hauptziel muss es dabei sein, die Nutzer durch attraktive Inhalte länger als bisher auf den eigenen Seiten zu halten. Denn nur so kann sich T-Online den Weg zu den Gewinn versprechenden Fleischtöpfen des E-Commerce ebnen.

Und dazu hat Holtrop keine zwei Jahre Zeit. Denn der Onlinedienst schreibt rote Zahlen. In den ersten neun Monaten des laufenden Jahres summierte sich der Vorsteuerverlust auf mehr als 100 Millionen DM. Das liege an der Einführung von Pauschalpreisen für die Internetnutzung, ließ das Unternehmen verlautbaren. Doch die Preisschraube lässt sich in Zukunft kaum mehr zurückdrehen. Im Gegenteil: Ab Februar muss die Telekom laut Regulierungsbehörde den T-Online-Konkurrenten durch Großhandelspauschalen ermöglichen, ihren Kunden ebenfalls Pauschalpreise anzubieten.

Zwar hat T-Online den E-Commerce-Anteil am Umsatz bereits erhöht, doch um das Unternehmen für die Zukunft fit zu machen, muss Holtrop die 1 700 Mitarbeiter schnellstens auf den neuen Kurs einschwören. Denn noch immer durchweht die T-Online-Zentrale in Darmstadt der Geist des reinen Technologieanbieters. Dringend sollte T-Online deshalb die seit Monaten ruhenden Verhandlungen mit Inhaltelieferanten wie der Münchener Kirch- Gruppe wieder in Gang bringen. Aber viele Verhandlungsführer sind nach dem personellen Aderlass der vergangenen Monate nicht mehr da.

Ein weiterer Graben verläuft zwischen T-Online und der Telekom-Konzernzentrale in Bonn. Will Holtrop T-Online auf neuen Kurs bringen, muss er zeigen, dass er den Internetriesen als selbstständiges Unternehmen führt und nicht nach der Pfeife der Telekom-Zentrale tanzt. Das Ausmaß seiner Eigenständigkeit wird sich vor allem an der Internationalisierung des Onlinekonzerns zeigen. Der Markteintritt in der Schweiz wird vorbereitet. Aber darüber hinaus braucht T-Online weitere Zukäufe im Ausland. Doch gerade in solchen Fragen lässt sich Telekom-Chef Ron Sommer nur ungern das Heft aus der Hand nehmen, was letztlich zum Zerwürfnis mit Ex-T-Online-Chef Wolfgang Keuntje führte.

Sommer selbst hat vor kurzem noch vorgedacht, was dem Kopf der Internettochter die nötige Machtfülle verleihen könnte: eine Doppelfunktion als T-Online-Chef und Multimediavorstand bei der Telekom. Jetzt hat er sich anders entschieden. Vielleicht erschien ihm die Aufgabe für Holtrop doch eine Nummer zu groß.

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