Thomson und Matsushita entwickeln neue Verfahren
Blasen zum Angriff auf CD-Piraten

Der französische Unterhaltungselektronikkonzern Thomson hat eigenen Angaben zufolge einen sicheren Schutz gegen das illegale Kopieren von CDs und DVDs entwickelt. "Wir hoffen, dass sich unser Verfahren ?smart right' bald als Standard in der Industrie durchsetzt", sagte Thomson-Generaldirektor Charles Dehelly im Gespräch mit dem Handelsblatt.

PARIS. Grund für Dehellys Optimismus: Auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin wird Thomson bekannt geben, dass mit Matsushita (Panasonic) der Weltmarktführer der Unterhaltungselektronik das Thomson-Verfahren nutzen will. Dehelly gibt sich zuversichtlich, dass sich Hersteller wie Philips oder Samsung anschließen werden. Das Verfahren basiert auf einem Chip als Schlüssel für die CD.

Mit Neuheiten wie "smart right" will Thomson die enttäuschenden Ergebnisse des Halbjahrs vergessen machen. Mit 92 Mill. Euro schrieb der Konzern erstmals seit Jahren wieder einen Nettoverlust. Dehelly wiegelt ab: "Immerhin war 2002 das erste Jahr, in dem wir eine Dividende ausgeschüttet haben: Das war das beste Jahr, das Thomson je hatte." Der Betriebsgewinn stieg 2002 um 7 % auf 718 Mill. Euro.

So gut wird dieses Jahr nicht werden, räumt Dehelly ein: "Der Betriebsgewinn könnte 2003 unter dem des vorigen Jahres liegen, dafür werden wir aber Marktanteile hinzugewinnen, besonders in Europa." Die Betriebsmarge, im Halbjahr um 1,2 Punkte auf 3,7 % abgerutscht, soll Ende des Jahres bei 6,5 % stehen und 2004 bis zu 9 % erreichen.

Dennoch blickt der Thomson- Chef zuversichtlich ins zweite Halbjahr: "In Europa haben wir gut begonnen und auch in den USA gibt es positive Zeichen. Aber wir bleiben vorsichtig." Im TV-Geschäft in den USA, das 15 % des Konzernumsatzes von 10,2 Mrd. Euro ausmacht, leidet Thomson unter der harten Konkurrenz aus China.

Auch wenn das Geschäft mit Fernsehern und Videoausstattung welt-weit noch 43 % des Umsatzes ausmacht - die Zukunft von Thomson sieht Dehelly im Geschäft mit High-Tech-Produkten für die Medienindustrie. Wenn Arnold Schwarzenegger als Terminator in gestochen scharfen Bildern die Welt retten kann, verdankt die Filmindustrie Hollywoods dies der Thomson-Tochter Technicolor. "Mehr als die Hälfte unseres Umsatzes erzielen wir schon mit Produkten für die Medienindustrie", sagt Dehelly. Im Gegensatz zur Konsumelektronik winken im Profigeschäft Gewinnspannen von mehr als 10 %.

Dehelly kauft clever zu. Durch ein Joint Venture mit der Schweizer Kudelski-Gruppe ist Thomson Weltmarktführer beim Pay-TV-Zugangsgeschäft. Das neue Kopierschutzsystem "smart right" gehört ebenfalls in diese Strategie: Weil Thomson auch die industrielle Kopiertechnik für DVDs und CDs liefert, ist der Konzern ebenfalls Opfer der Raubkopierer.

Analysten wie David Cerdan von HSBC würden es gerne sehen, dass sich Thomson ganz aus dem Fernse- her-Geschäft verabschiedet: "Das wäre für die Aktie sicherlich sehr positiv, weil sie von den unsicheren Aussichten im Konsumelektronikgeschäft belastet wird."

Doch Dehelly hält nichts von einem Ausstieg. "Um unseren industriellen Kunden die besten Lösungen bieten zu können, müssen wir ganz nah dran sein am Endverbraucher - und das schaffen wir nur über das TV- und Videogeschäft." Dehelly will die TV-Sparte ausbauen - vor allem in China. Noch in diesem Jahr will Thomson einen chinesischen Partner für die Produktion von klassischen Röhrenfernsehern finden.

Konsumelektronik ist das Kerngeschäft von Thomson - aber an ihm ging der Konzern mit seiner über 100-jährigen Geschichte 1996 fast zu Grunde. Der damals neue Chef Thierry Bréton rettete Thomson. Ende 2002 löste Dehelly Bréton ab. Um die schlechten Erinnerungen vollends zu tilgen, strich Dehelly vor wenigen Monaten den Zusatz "multimedia" aus dem Firmennamen.

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