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Thyssen-Krupp auf Einkaufstour - Corus gilt als Kandidat Nr. 1

Deutschlands größter Stahlhersteller Thyssen-Krupp plant eine Einkaufstour - und am Markt überschlagen sich die Spekulationen über mögliche Ziele. Seit der Vorstandschef der Thyssen-Krupp Steel AG, Ulrich Middelmann, am Dienstag angekündigt hatte, einen Kauf oder eine Beteiligung an einem europäischen Konkurrenten zu prüfen, geistern Namen potenzieller Kandidaten durch die Medien. Ganz oben auf der Liste steht dabei der Stahlhersteller Corus Group .

dpa-afx FRANKFURT. Deutschlands größter Stahlhersteller Thyssen-Krupp plant eine Einkaufstour - und am Markt überschlagen sich die Spekulationen über mögliche Ziele. Seit der Vorstandschef der Thyssen-Krupp Steel AG, Ulrich Middelmann, am Dienstag angekündigt hatte, einen Kauf oder eine Beteiligung an einem europäischen Konkurrenten zu prüfen, geistern Namen potenzieller Kandidaten durch die Medien. Ganz oben auf der Liste steht dabei der Stahlhersteller Corus Group .

Die "Financial Times" hatte den britisch-niederländischen Konkurrenten als möglichen Fusionspartner ins Spiel gebracht. Vom Unternehmen selbst gab es keinen Kommentar, Thyssen-Krupp nannte den Bericht "höchst spekulativ". Einigen Analysten zufolge wäre Corus jedoch durchaus der sinnvollste Kandidat. "Es würden sich mit Corus enorme Synergien heben lassen und die Kapazitäten würden sich verdoppeln", sagt Stefan de Schutter von der alpha Wertpapierhandels AG. Aus einer Fusion würde das drittgrößte Stahlunternehmen weltweit hervorgehen.

Eine schnelles Zusammengehen sei nicht zu erwarten, schränkt de Schutter ein. Sowohl Thyssen-Krupp als auch Corus hätten noch ein hartes Restrukturierungs- und Portfoliobereinigungsprogramm zu bewältigen. "Bei der sich gerade fokussierten Thyssen-Krupp würden neue Probleme entstehen." Helabatrust zeigt sich aus gleichem Grund skeptisch. Analyst Frank Biller von der Baden Bank-Württembergischen hält nur eine Fusion mit Teilbereichen der Corus-Gruppe für sinnvoll. Die Sparte Aluminium etwa würde nicht zu Thyssen-Krupp Steel passen, sagte er. Ein anderer Analyst betont, dass Corus "zu viele Dinge macht, die Thyssen-Krupp nicht macht". Man müsse zu viel investieren und hätte dann Bereiche am Hals, mit denen man nichts anfangen könnte.

Salzgitter

Ähnliche Probleme würden nach Angaben der Experten bei einer Übernahme der Salzgitter AG auftauchen. Dort sei das Röhrengeschäft der Knackpunkt. "Thyssen-Krupp hat sich im Zuge der Konzentration auf das Kerngeschäft gerade erst davon getrennt, da würde man sich nur neue Probleme einkaufen", sagte ein Analyst. De Schutter von alpha fügte hinzu, das Land Niedersachsen habe bekräftigt, dass es "so lange, wie die Haushaltslage es zulässt", an seiner 25-prozentigen Beteiligung an dem Konzern festhalten wolle. Ein Verkauf sei nicht geplant.

"Besser passen" würde nach Ansicht der Analysten der österreichische Stahlkocher Voestalpine . "Voestalpine ist wie Thyssen-Krupp in den Bereichen Qualitätsstahl und Automotive besonders aktiv", sagte ein Analyst. Auf der anderen Seite sei Thyssen-Krupp im vergangenen Jahr, als der knapp 35-prozentige staatliche Anteil an dem österreichischen Unternehmen zur Privatisierung stand, nicht zum Zuge gekommen. "Da besteht keine Chance."

Expansion IM Flach- Oder Edelstahlgeschäft

Experten rechnen damit, dass Thyssen-Krupp sich vor allem im Flach- oder Edelstahlgeschäft umschaut. Da kämen finnische Stahlkonzerne wie Rautaruukki oder Outokumpu in Frage, heißt es. Auf der anderen Seite gibt es Stimmen, der Stahlhersteller wolle in Osteuropa zuschlagen will, um dort den Markt vermehrt zu erschließen. Nach Meinung eines Analysten würde es sich für den Konzern dort aber eher anbieten, selber zu bauen, als zu übernehmen und aufwendig zu restrukturieren.

Als unwahrscheinlich bezeichneten die Experten zudem eine Übernahme in Italien. In einem Medienbericht wurde das italienische Stahlunternehmen Riva als möglicher Partner für Thyssen-Krupp genannt. Ein Analyst winkte ab: Bei Riva gebe es Überkapazitäten, die das Unternehmen nur sehr schwer abstoßen könne, sagte ein Analyst. "Da wäre eine Beteiligung ein negatives Signal."

Thyssen-Krupp hält die derzeitige Diskussion für "überbewertet" und die Ratespiele um Kandidaten für reine Spekulation. Da könne man ebensogut alle Stahlunternehmen Europas aufzählen, sagte ein Sprecher von Thyssen-Krupp Steel. Middelmann habe bei der Weltstahlkonferenz in Istanbul lediglich gesagt, der Konzern wolle aktiv an der notwendigen Konsolidierung der Branche in Europa mitwirken. Mögliche Kandidaten habe der Vorstandschef jedoch nie genannt.

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