Thyssen-Krupp gefragt
US-Daten bremsen Dax-Gewinne aus

Die Vorlage konnte kaum besser sein: Ausgerechnet Eurolands Schlusslicht Deutschland liefert gute Konjunkturdaten. Das gab europäischen Aktien ordentlich Auftrieb. Doch unerwartet vorsichtige Verbraucher in den USA dämpften die Euphorie und machten einen Teil der Tagesgewinne wieder zunichte.

FRANKFURT/M. Zunächst die gute Nachricht: Das deutlich verbesserte Wirtschaftsklima im Februar lässt eine baldige Konjunkturerholung in Deutschland und damit ein Ende der wirtschaftlichen Talfahrt erwarten. Die Unternehmen schätzen nach Daten des ifo-Instituts vor allem ihre Geschäftsaussichten optimistischer ein. Die aktuelle Lage beurteilen sie allerdings weiterhin skeptisch.

Die schlechte Nachricht ließ aber nicht lange auf sich warten: Die amerikanischen Verbraucher beurteilen ihre Lage und die Zukunftsaussichten der US-Konjunktur unerwartet kritisch. Das Verbrauchervertrauen sank im Februar drastisch auf 94,1 Punkte, nach 97,8 Punkten im Januar. Damit wurden Analysten, die knapp 97 Punkte prognostizierten, und die Börsen auf dem falschen Fuß erwischt.

Nach einem kurzzeitigen Einbruch entschieden sich die europäischen Börsen aber für eine leichte Übergewichtung der europäischen Daten. "Es spricht für den Markt, dass wir uns im Plus halten", meinte Rolf Stegemann-Kühnert, Aktienhändler bei der BHF-Bank. Offenbar hielten sich die Investoren an der guten Stimmung des ifo-Indexes fest, die Zuversicht in Deutschland kehre zurück. Dagegen meinte Stephan Ignatzy, Händler bei der Commerzbank: "Ich bin vom Markt derzeit nicht überzeugt. Das schlechter als erwartet ausgefallene US-Verbrauchervertrauen hat meine Meinung bestätigt." Für nachhaltig steigende Kurse müssten die Unternehmensgewinne wieder anziehen, eine verbesserte Stimmung allein reiche noch nicht.

Die unterschiedlichen Meinungen spiegeln die Entwicklung an den Börsen wider. Einem kräftigen Auf folgte ein rasches Ab. Zu Handelsschluss legte der Euro-Stoxx-50-Index aber doch knapp 0,8 % zu. Der Deutsche Aktienindex (Dax) verbesserte sich um 0,7 % auf 4 898 Zähler. Wie sehr die Märkte ungeachtet des schwachen US-Verbrauchervertrauens nach wie vor auch mit einem Aufschwung in den Vereinigten Staaten rechnen, zeigte die Entwicklung des Euros. Trotz der guten deutschen Konjunkturdaten konnte die Gemeinschaftswährung nicht zulegen. Im Gegenteil: Am späten Abend gab der Euro sogar recht deutlich auf 86,3 $ nach. "Die Anzeichen für eine Konjunkturerholung werden sowohl aus den USA wie aus Europa erwartet", sagte ein Händler.

Ganz oben in der Gunst der Anleger standen Telekom - und Technologiewerte. Diese dürften als erstes von einem Konjunkturaufschwung in Europa profitieren, weil Investitionsaufträge winken. Außerdem haben sie nach Meinung einiger Analysten nach den deutlichen Kursverlusten im Vorjahr wieder Potenzial nach oben. Laut Alfred Kaiser vom Maklerhaus Fritz Nols wird sich die positive Unternehmensstimmung zeitverzögert auch in verbesserten Unternehmensgewinnen und-aussichten niederschlagen. "Technologiewerte können dann von höheren Investitionen profitieren", sagte er.

Mit Aufschlägen glänzten wie schon am Montag solche Werte, die in der Vorwoche kräftig gefallen waren. Händler begründeten dies mit den Aktivitäten der Shortseller, also Investoren, die auf fallende Kurse spekulieren und Aktien leer verkaufen. Sobald die Notierungen unerwartet zulegen, müssen sie sich eindecken. Auch die geringe Investition vieler Anleger dürfte zu den steigenden Kursen beigetragen haben. Nach jüngsten Befragungen der Vereinigung Technischer Analysten Deutschlands (VTAD) sind vor allem Privatanleger deutlich geringer in Aktien investiert als in den Monaten zuvor. "Der Markt ist unterinvestiert. Dies eröffnet zumindest auf kurze Sicht Potenzial für eine Erholung", analysieren die Techniker ihre "sentix"-Befragung.

Mit einem Kursplus von rund 1 % behauptete sich die T-Aktie. Die Absage des Kabelnetzverkaufs an Liberty belastete die Deutsche Telekom laut Marktteilnehmern nicht, da die schlechte Nachricht bereits "eingepreist" sei. Dagegen beflügelten Meldungen, nach denen die Telekom die monatliche Grundgebühr erhöhen darf. Auch Spekulationen über einen neuen Käufer für das Kabelnetz kämen allmählich auf, hieß es. Man sei in Kürze für Gespräche nach allen Richtungen und Seiten offen, sagte ein Sprecher des Bonner Konzerns. Das Londoner Investmenthaus Compere Associates bekräftigte sein Interesse an einem Erwerb des Kabels. Auch der Investor Gary Klesch erwägt die Übernahme weiterer Netze.

Zu den Tagesgewinnern zählten Thyssen-Krupp mit einem Plus von über 2 %. Am Morgen hatte der Konzern zwar schwache Zahlen vorgelegt, damit aber die Markterwartungen knapp geschlagen. Ein leicht enttäuschender Ausblick konnte die Stimmung nicht trüben.

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