Thyssen-Krupp hat erste Preiserhöhungen durchgesetzt
Stimmung der Stahlhersteller ist derzeit besser als die Lage

Dieter Ameling, der Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl, zögert noch, endgültig Entwarnung zu geben. Gleichwohl aber scheint 2002 für die Branche nicht das befürchtete schwarze Jahr zu werden. Auch für Thyssen-Krupp Steel (TKS), den größten deutschen Stahlhersteller, hat sich die Lage etwas gebessert.

mjh HANNOVER. Noch um den Jahreswechsel mussten die TKS-Werke an Rhein und Ruhr wegen randvoller Läger der Kunden Kurzarbeit fahren, die Preise für Carbonstahl waren auf den niedrigsten Stand seit 20 Jahren gefallen. Anfang April konnte TKS nun erstmals höhere Preise durchsetzen, zwischen 12 und 15 % bei Carbonstahl und um etwa 6 % bei Edelstahl. "Endlich haben wir es geschafft, uns von dem hundsmiserablen Preisniveau ein wenig abzusetzen", sagte Helmut G. Hadrys, Vize-Vorstandschef von TKS auf einem Pressegespräch in Hannover. Im ersten Quartal schreib TKS einen Verlust von 26 Mill. Euro.

Verbandspräsident Ameling legte erstmals eine Prognose für das Stahljahr 2002 vor. Danach wird die Rohstahlerzeugung in Deutschland um weitere 4 % auf etwa 43 Mill. Tonnen sinken. Der Umsatz der Stahlhersteller dürfte sich bei unverändert 23 Mrd. Euro einpendeln. Der Arbeitsplatzabbau geht - mit allerdings gebremsten Tempo - weiter. Ende 2001 zählte die Branche noch 101 000 Beschäftigte.

Bisher hatte die Wirtschaftsvereinigung Stahl "wegen schwer kalkulierbarer Unsicherheiten" (Ameling) keine Prognose gewagt. Damit waren insbesondere die direkten und indirekten Folgen von Strafzöllen der USA auf Stahlimporte aus der EU gemeint. Von diesen im März verhängten Sanktionen sind nach Schätzung der EU-Kommission in Brüssel 15 Mill. Tonnen - und damit weniger als 10 % des in Europa produzierten Stahls betroffen. Deutsche Unternehmen hatten im Jahr 2001 insgesamt 1,6 Mill. Tonnen Stahl in die USA exportiert. Mit ihren Ende März in Kraft gesetzten Schutzmaßnahmen für Europa konnte die EU die befürchtete Import-Schwemme verhindern.

Bei TKS sieht man nach der Ende 2001 erreichten Talsohle jetzt "unverkennbare Anzeichen für eine Nachfrageerholung". Die Auslastung liege über 90 %, bestätigte Vorstandsmitglied Karl-Ulrich Köhler. Für die gesamte Branche zog Präsident Amelung freilich ein etwas vorsichtigeres Fazit: "Die Stimmung ist besser als die Lage."

Quelle: Handelsblatt

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