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Thyssen-Krupp und OEP unterzeichnen Vertrag zu Werftenfusion

Der Industriekonzern Thyssen-Krupp und der US-Investor One Equity Partners (OEP) haben nach monatelangen Verhandlungen den Vertrag über einen deutschen Werftenverbund unterzeichnet.

dpa-afx ESSEN/KIEL. Der Industriekonzern Thyssen-Krupp und der US-Investor One Equity Partners (OEP) haben nach monatelangen Verhandlungen den Vertrag über einen deutschen Werftenverbund unterzeichnet. Die Thyssen-Krupp Werften und die Howaldtswerke Deutsche Werft (HDW) sollen zu einer neuen Gruppe unter der Führung der Thyssen Marine Systems-Krupp AG zusammengeführt werden, teilte Thyssen-Krupp am Freitag in Essen mit. Die beiden Konzerne hatten Mitte Mai ihre Fusionspläne bekannt gegeben, am Donnerstag wurde nun eine Einigung erzielt. Die Aktie reagierte kaum auf die Nachricht, der Kurs lag gegen 11.00 Uhr mit 16,27 Euro 0,06 Prozent im Minus.

Die neue Großwerft soll zu drei Vierteln im Besitz von Thyssen-Krupp sein, der HDW-Eigner OEP wird ein Viertel kontrollieren. Neben den Anteilen an der neuen Gesellschaft erhält der US-Investor für seine 100-prozentige Beteiligung an HDW noch 220 Mill. Euro in bar. Der Betrag werde aus Barmitteln der neuen Werftengruppe finanziert, hieß es. Geschäftsführer des neuen Werftenverbundes soll der Vorsitzender der Geschäftsführung der Thyssen-Krupp Werften, Klaus Borgschulte, werden. Nun warte man noch auf die Zustimmung der Aufsichtsgremien und die notwendigen Freigaben.

Deutsche Standorte Bleiben Erhalten

Der Sitz der Thyssen Marine Systems-Krupp AG wird Hamburg sein. Mit derzeit 9 300 Mitarbeitern hat der neue Werftenverbund nach Unternehmensangaben ein Umsatzvolumen von 2,2 Mrd. Euro. Die deutschen Standorte Kiel, Hamburg, Emden und Rendsburg mit ihren insgesamt fünf Werften sollen erhalten bleiben. HDW bringt zudem seine beiden hundertprozentigen Töchter Kockums AB in Schweden und Hellenic Shipyards in Griechenland in den Verbund ein.

Details der neuen Struktur wurden nicht genannt. "Die Gespräche über Einzelheiten laufen noch", sagte eine Thyssen-Krupp-Sprecherin. Nach bisherigen Angaben orientiert sich die neue Struktur an den bestehenden Schwerpunkten der einzelnen Werften und konzentriert sich auf vier Produktbereiche: U-Boote, Marineschiffe, zivile Schiffe und Reparatur. Der Standort Hamburg soll sich auf Überwasser-Marineschiffe und Mega-Yachten sowie auf das Reparatur-Geschäft konzentrieren. Emden soll Standort für Überwasser-Marine- und Handelsschiffe werden. Die U-Boot-Aktivitäten sollen in Kiel gebündelt werden.

Der genaue Umfang der geplanten Stellenstreichungen ist unterdessen noch offen. "Die Gespräche laufen noch", sagte eine Thyssen-Krupp-Sprecherin. Der Bezirksleiter der IG Metall Küste, Frank Teichmüller, betonte aber, durch die hohe Beteiligung der Belegschaften sei es gelungen, das industrielle Konzept des Arbeitgebers so weit zu verändern, dass nicht weit mehr als 1 300 Stellen, sondern höchstens 560 abgebaut werden. Auch eine Konzentration auf reinen Militärschiffbau habe verhindert werden können.

Europäischer Werftenverbund

Ob die Fusion eine Vorstufe zu einem europäischen Werftenverbund sei, wie seit Monaten spekuliert wird, wollte Thyssen-Krupp nicht kommentieren. "Jetzt arbeiten wir erstmal an dem deutschen Werftenverbund", sagte eine Thyssen-Krupp-Sprecherin.

In der Branche gilt ein Zusammenschluss des deutschen Werftenverbundes mit dem französischen Rüstungskonzern Thales als beschlossene Sache. An dem europäischen Verbund soll auch der französische Staatskonzern DCN beteiligt werden. Der Vorstandsvorsitzende der Thyssen-Krupp Technologies, Olaf Berlien, und Thales-Chef Denis Ranque hatten die Fusion HDW-Thyssen-Krupp in der Vergangenheit als ersten Schritt zu einer "maritimen EADS" gewertet.

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