ThyssenKrupp
"Squeeze out" bei Edelstahlwerk Witten?

Die ThyssenKrupp AG will die Minderheitsaktionäre bei ihrer Tochter Edelstahlwerk Witten AG herausdrängen. Dies wäre ein weiterer Fall, in dem Unternehmen vom so genannten "Squeeze out" Gebrauch machen. Die Minderheitsaktionäre seien "überproportional am Ergebnis" der Tochter beteiligt und dies wolle man korrigieren, sagte ein Sprecher.

HB/ Reuters DUISBURG. "Wir denken über ein Squeeze Out nach", sagte ein Sprecher des Konzerns am Freitag. Eine Entscheidung sei aber noch nicht gefallen. Zuvor hatte die Tochter mitgeteilt, dass die Konzernmutter den Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag mit Wirkung zum 30. September 2004 gekündigt habe. Die Minderheitsaktionäre seien "überproportional am Ergebnis" der Tochter beteiligt und dies wolle man korrigieren, sagte der Sprecher von ThyssenKrupp.

ThyssenKrupp ist mit 98,8 Prozent Hauptaktionär der einstigen Edelstahl-Tochter, die schon seit Jahren nur noch als reine Vermögensverwaltungsgesellschaft fungiert. Bereits 1975 hatte ThyssenKrupp die Edelstahlwerke Witten übernommen, die in die ThyssenKrupp Edelstahlwerke AG eingingen. 1992 fusionierte dieses Unternehmen mit der Thyssen Stahl AG. 1994 wurde dieser Geschäftsbereich unter dem Namen Edelstahl Witten-Krefeld GmbH ausgegliedert.

Seit dem 1. Januar 2002 ist in Deutschland das neue "Wertpapiererwerbs- und Übernahmegesetz" (WpÜG) in Kraft, das unter anderem den Ausschluss von Minderheitsaktionären aus einer Aktiengesellschaft ermöglicht. Als Kurzbezeichnung hierfür hat sich der englische Begriff "Squeeze Out" durchgesetzt, der wörtlich übersetzt "herausquetschen" bedeutet.

Herausgequetscht können sich nämlich diejenigen Minderheitsaktionäre fühlen, die gegen ihren Willen zur Herausgabe ihrer Anteilsscheine gezwungen werden, dafür jedoch eine angemessene Barabfindung erhalten müssen, in die häufig ein Bonus einfließt. In einzelnen Fällen gelang es dadurch so genannten "räuberischen Aktionären", sich ihr Vetorecht durch teure Sonderzahlungen abkaufen zu lassen. Der Mehrheitsaktionär will durch ein "Squeeze Out" die aus seiner Sicht lästigen Streubesitzaktionäre herausdrängen und vielfach auch die Börsennotierung beenden (Delisting), um kostspieligen Hauptversammlungen und Publizitätspflichten zu entgehen.

Jede Woche neue Fälle

Mittlerweile werden in jeder Woche neue Squeeze-Out-Fälle bekannt und die Zahl der geplanten oder gar möglichen Fälle ist noch weit größer. Jüngstes Beispiel ist die Allianz, die die restlichen Aktien der Tochter Dresdner Bank (2,8 Prozent) erwerben will und deshalb am Donnerstag den Minderheitsaktionären eine Abfindung von 51,50 Euro bot.

Weit verbreiteter ist die Verdrängung der Minderheitsaktionäre aber in den mittleren und kleineren Marktsegmenten. So strebt MAN nach einem Squeeze Out bei seiner Tochter MAN Roland. Viva plant die vollständige Übernahme bei dem Kölner TV-Produzenten Brainpool, beim Autoschließanlagenhersteller Kiekert will die Holding die volle Kontrolle übernehmen und die Anleger des Jeans-Herstellers HIS müssen sich auf ein "Herausquetschen" durch den Mehrheitsaktionär VF Corp vorbereiten.

Weitere mögliche Squeeze-Kandidaten sind nach einer Aufstellung der Deutschen Bank unter anderem folgende Unternehmen (in Klammer jeweils der Mehrheitsaktionär): Hoechst (Aventis SA), Mannesmann/Vodafone Airtouche), BHF Bank (ING Groep), Audi (VW), Aachener und Münchener Versicherung (AMB Generali Holding), ABB Asea Brown Boveri (ABB Ltd.), Volksfürsorge Holding (AMB Generali Holding), Entrium (Bipop), Alcatel SEL (Alcatel), RWE-DEA (RWE), Gea (mg technologies), Ford (Ford-Werke Holding), Kaufhalle (Divaco) und Edelstahlwerke Witten (Thyssen Krupp).

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