Tichys Wechselstube: Goldjahr für Aktionäre

Tichys Wechselstube
Goldjahr für Aktionäre

Es gibt ja so Dinge, die sollte man besser gar nicht aussprechen. Die voraussichtlichen Super-Gewinne der großen deutschen Aktiengesellschaften gehören dazu – sie könnten zu einem gesellschaftlichen Sprengstoff werden, weil der Arbeitsmarkt stagniert und die Löhne weiter schrumpfen.

HB DÜSSELDORF. Schon im vergangenen Jahr sind die Profis gar nicht mehr nachgekommen, die Gewinnprognosen nach oben zu korrigieren – weit mehr als 20 Prozent Wachstum dürften es geworden sein. Und heuer werden voraussichtlich noch einmal zehn bis 20 Prozent draufgelegt, denn die Gewinnmaschine läuft weiter.

Unterschätzt wurden beispielsweise bislang die Auswirkungen der Kostensenkung vieler deutscher Unternehmen. Sie sind gerade dabei, die Konkurrenten aus Frankreich und Italien abzuhängen. Da sie derzeit fast alle noch weit unter ihrer Kapazitätsgrenze arbeiten, steigert jeder weitere Markterfolg den Gewinn.

Falsch eingeschätzt haben viele Wirtschaftsforscher auch die Folgen der Globalisierung. Sicherlich – sie bedeutet wachsende Konkurrenz. Aber Spezialisierung spart Kosten. Und als Folge der zunehmenden Spezialisierung wächst der Welthandel doppelt so schnell wie die Wirtschaftsleistung: Wer seine Spezialisierungsnische gefunden hat, und das war die wichtigste Managementaufgabe, ist weltweit gefragt.

Sicherlich dämpfen die steigenden Rohstoff- und Energiepreise das Wirtschaftswachstum. Aber nach Jahrzehnten sinkender Rohstoffpreise werden weltweit jetzt Kapazitäten in den Grundstoffindustrien aufgebaut. Damit kommt es zum Rückfluss der Rohstoff-Dollars – und davon dürfte die deutsche Ausrüstungsindustrie, dürften die Anlagen- und Maschinenbauer besonders profitieren.

Nichts bremst derzeit den laufenden Gewinnzyklus: Die Verstetigungspolitik der Notenbanken weltweit hat die Konjunkturzyklen um ein bis zwei Jahre verlängert. Und wegen der hohen Arbeitslosigkeit und der mittlerweile kleinräumigen Tariflandschaft in Deutschland mit ihren vielen Ausnahmeregeln sind die Gewerkschaften kraftlos, so dass sie kaum wirkliche Lohnsteigerungen erzwingen können.

Es wird also das Jahr der Umverteilung zu Gunsten der Aktionäre – und der wachsenden sozialen Spannungen. Denn unbemerkt wird das nicht bleiben.

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