Tichys Wechselstube
Was man so alles hört

Wenn Sie über die Benchmark-Problematik des Schroder International Selection Fund Bescheid wissen wollen: Rufen Sie mich an. Oder wie wär’s mit dem Flop bei ISF Euro Dynamic Growth?

Die neue Rating-Strategie mit Schwerpunkt Risk-Solution gefällig, die S&P gemeinsam mit 20 Banken der Bafin verkaufen will? Ansprechpartner? Oder die Erwartung der DWS hinsichtlich der Qiagen-Zahlen, die am 9. publik werden?

Für diese und ähnliche Fragen empfehle ich Ihnen den ICE 220, der morgens um 9 Frankfurt verlässt und in dessen erster Klasse sofort eine hektische Betriebsamkeit einsetzt. Da werden Analysen herumgereicht, lautstark Telefonate geführt, Exel-Sheets auch dem zugänglich gemacht, der sie nicht sehen will.

Und nicht sehen soll.

In Großraumabteilen scheinen schon bei Abfahrt Insiderregeln nicht mehr zu gelten, Diskretion ist ein Fremdwort und Chinese Walls ein Computerspiel. Hier geben die Banker den Mini-Breuer: Wem schon nicht Bloomberg zuhört, wenn man sich verplappert oder absichtsvoll einen Kunden zu massakrieren will – der wähle das Zugabteil und die innewohnende Zwangszuhörerschaft zur Veröffentlichung von Bankgeheimnissen. Da ist die Bahn übrigens unendlich effizienter als die Lufthansa: Wegen des dort herrschenden Handy-Verbots steht ausschließlich ein Sitznachbar zur Verfügung, dem man den Flachbildschirm vor die Nase halten kann.

Lange habe ich mich geärgert über plärrende Reisegenossen. Mittlerweile beginne ich Spaß daran zu haben, dass ich so häufig in deren mobilen Büro und Besprechungsraum mit auf die Reise genommen werde.

Denn es ist die reinste Sozialstudie, einem Postbank-Manager zuzuhören, wie er Schatzilein auf der abendlichen Rückfahrt nach Frankfurt die einstündige Verspätung dieser furchtbaren Mehdorn-Schnecke mitteilt – obwohl der Zug überpünktlich einläuft. So organisiert man sich eine Stunde Freigang im Bahnhofsviertel, Bussi Frau Gemahlin.

Diskretion und Scham werden abgelegt, wenn der Cursor blinkt oder das Handy klingelt. Gerade noch, dass man sich zum telefonieren ans Fenster dreht – wen ich nicht sehe, der hört mich nicht. Glauben die Kinder.

Da Benimmregeln nicht mehr gelten, folgende Warnung. Ab sofort wird veröffentlicht! Und zwar Klartext und Klarname.

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