"Tickende Zeitbome"
"Annas" Peiniger zu neuneinhalb Jahren Haft verurteilt

Ein Jahr ist es jetzt her, dass der 19-Jährige Sven K. auf der Toilette einer Münchner Klosterschule die siebenjährige "Anna" vergewaltigt und beinahe zu Tode gewürgt hat.

ddp MÜNCHEN. Regungslos nimmt Sven K. das Urteil auf: Das Münchner Landgericht schickt ihn für neuneinhalb Jahre in Jugendhaft. Ein Jahr ist es her, dass der 19-Jährige auf der Toilette einer Münchner Klosterschule die siebenjährige "Anna" vergewaltigt und beinahe zu Tode gewürgt hat. Und es könnte jederzeit wieder passieren. Von einer "tickenden Zeitbombe" sprechen Staatsanwältin und Richter. Sven K. soll deshalb in psychiatrische Behandlung. Nur wenn diese erfolgreich verläuft, kann der Verurteilte damit rechnen, jemals wieder auf freien Fuß zu kommen. Er wurde am Montag sofort ins Bezirkskrankenhaus Haar gebracht.

Richter Werner Ulrich sprach Sven K. schuldig, am 19. Oktober 2001 das Mädchen überfallen, bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt und anschließend missbraucht zu haben. Das Verbrechen hatte bundesweit Aufsehen erregt. Die Jugendstrafkammer wertete die Tat als versuchten Mord und Vergewaltigung. Sven K. habe nach dem Übergriff in der Schultoilette geglaubt, dass die kleine "Anna" tot sei. Das Urteil ist rechtskräftig.

Der Richter sagte, die "extreme Wiederholungsgefahr" habe nicht nur der 19-Jährige selbst eingeräumt, sondern auch ein psychiatrischer Gutachter vor Gericht bestätigt. Ihm hatte Sven K. von seinen Sexphantasien mit Kindern berichtet, in denen Gewalt und sogar Tötung eine Rolle spielten.

Er zeige immer noch Selbstmitleid und gebe anderen Schuld für seine negative Entwicklung, sagte Ulrich. Die Bedingungen, unter denen Sven K. aufgewachsen sei, bezeichnete er als «erschütternd». Die Eltern hatten ihn laut Zeugenaussage lange hinter einem Bretterverschlag eingesperrt. Die Mutter ließ ihn dort zeitweise nur heraus, um ihn auf seine Geschwister zu hetzen und seine Gewaltbereitschaft zu nutzen.

Das Gericht betonte aber, dass Sven K. trotz dieser Kindheit für seine Taten selbst verantwortlich sei. Die Verteidigung hatte auf acht Jahre Haft plädiert und ebenfalls eine psychiatrische Behandlung gefordert. Der Angeklagte hatte sich selbst als Gefahr für die Allgemeinheit bezeichnet.

Sven K. wurde zudem wegen zweier weiterer Verbrechen verurteilt. Bereits am 17. August vergangenen Jahres vergewaltigte er eine tschechische Studentin in der Münchner Frauen-Uniklinik. Am 31. Dezember 2001 schließlich misshandelte er die 56-jährige Wirtin eines Dorfgasthofs am Starnberger See. Anfang Januar 2002 wurde er festgenommen. DNA-Spuren hatten ihn überführt. Jetzt tickt die Zeitbombe hinter Gittern.

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