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Tiefer Graben bei Volkswagen vor Auftakt der Tarifrunde

Bei Volkswagen AG schlägt ab Mittwoch mit dem Auftakt der Tarifrunde die Stunde der Wahrheit. Seit Wochen lassen Management und IG Metall ihre Muskeln spielen, der Graben ist tief zwischen den beiden Tarifparteien - und das mitten in einer schwierigen Lage des Wolfsburger Autobauers. Die Gewerkschaft will vier Prozent mehr Geld und langfristige Job-Garantien, VW dagegen eine Nullrunde, mehr Flexibilität und eine stärkere Konkurrenz der Standorte untereinander.

dpa-afx HANNOVER. Bei Volkswagen AG schlägt ab Mittwoch mit dem Auftakt der Tarifrunde die Stunde der Wahrheit. Seit Wochen lassen Management und IG Metall ihre Muskeln spielen, der Graben ist tief zwischen den beiden Tarifparteien - und das mitten in einer schwierigen Lage des Wolfsburger Autobauers. Die Gewerkschaft will vier Prozent mehr Geld und langfristige Job-Garantien, VW dagegen eine Nullrunde, mehr Flexibilität und eine stärkere Konkurrenz der Standorte untereinander.

Auf dem Spiel steht die jahrzehntelang gepflegte Harmonie zwischen Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite bei VW, die unter anderem die Vier-Tage-Woche und das Tarifmodell "5 000 mal 5 000" hervorbrachte. Gibt es bis Ende Oktober keine nennenswerten Fortschritte, droht nach Ende der Friedenspflicht sogar ein Streik bei dem Autobauer.

IG Metall Erwartet 'Knallharte' Tarifrunde

Eine "knallharte" Tarifrunde erwartet IG Metall-Bezirkschef Hartmut Meine. VW-Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch warnte bereits vor dem Abbau von bis zu 30 000 Arbeitsplätzen, sollte die Arbeitnehmerseite nicht zu weit reichenden Zugeständnissen bereit sein. "Ich hoffe für alle auf ein Ergebnis, das finanziellen Erfolg und damit Arbeitsplätze nachhaltig sichert", sagte VW-Chef Bernd Pischetsrieder zuletzt. Und: "Wir leben momentan über unsere Verhältnisse."

Die Positionen der Tarifparteien liegen weit auseinander. Die IG Metall strebt bei den Tarifverhandlungen für die 103 000 VW - Beschäftigten in den sechs westdeutschen Werken eine zehnjährige Garantie der Arbeitsplätze an. Ungeachtet der sinkenden Auslastung der Werke müssten die Jobs erhalten bleiben, argumentiert Verhandlungsführer Meine. Zugleich will die Gewerkschaft eine Erhöhung der Löhne und Gehälter um vier Prozent.

Die VW-Führung um Pischetsrieder und Personalvorstand Peter Hartz lehnt dies vehement ab. Ihre Hauptforderung: die Kosten müssen runter, damit VW wettbewerbsfähig bleibt. Seine Positionen, ein Sieben-Punkte-Konzept, hatte das Management auf einer eigens anberaumten Pressekonferenz vorgestellt - unüblich in der VW - Tarifgeschichte. Das Signal: Das Management geht in die Offensive.

VW Will Nullrunde

So will VW eine Nullrunde für die Beschäftigten durchdrücken. Sie sollen über 24 Monate auf Einkommenserhöhungen verzichten. Für mehr Geld gebe es keinen Spielraum, sagt Hartz. Insgesamt rund zwei Mrd. ? an Personalkosten oder 30 % will VW in den kommenden sechs Jahren sparen. Eine rechtlich verbindliche Beschäftigungsgarantie über mehrere Jahre lehnt das Unternehmen ab. Zudem soll ab 2005 das Vergütungssystem radikal vereinfacht werden.

Die IG Metall weist das Sparpaket als unausgewogen und unfair zurück. Bezirkschef Meine besteht auf der Forderung nach vier Prozent höheren Einkommen. "So lange VW eine Dividende zahlen kann, müssen auch die Beschäftigten am Erfolg des Unternehmens beteiligt werden." Strikt lehnt Meine zudem eine Übertragung des Tarifmodells "5 000 mal 5 000" (5 000 Beschäftigte arbeiten für 5 000 DM, oder jetzt 2 550 ?) auf alle Arbeitnehmer bei VW ab.

Harte Zeiten BEI VW

Die Zeiten sind nicht nur wegen der am Mittwoch in Hannover beginnenden Tarifverhandlungen derzeit schwierig bei Volkswagen. Weil VW wegen massiver Absatzprobleme auf seinen wichtigsten Märkten - vor allem Deutschland, USA und China - in diesem Jahr mit einem deutlich schlechteren Geschäft rechnet als erwartet, gab das Unternehmen zuletzt eine Gewinnwarnung heraus. Trotz des millionenschweren Sparprogramms "Formotion" war das Ergebnis im ersten Halbjahr eingebrochen. Unterm Strich sank der Gewinn um mehr als ein Drittel auf 383 Mill. ?.

Vor diesem wirtschaftlichen Hintergrund droht ein heißer Herbst bei Volkswagen - wie auch bei Konkurrenten. So wird bei Opel derzeit über die 40-Stunden-Woche und Gehaltsverzicht verhandelt - Ausgang offen.

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