Tiefer Graben zwischen Gewerkschaft und Betriebsrat
VW und Betriebsrat streben Vereinbarung an

Nach dem Scheitern der Gespräche mit der IG Metall über das Beschäftigungsmodell "5 000 mal 5 000" strebt Volkswagen nun offenbar eine Vereinbarung mit dem Betriebsrat an, um wesentliche Teile des Projektes doch noch zu verwirklichen.

Reuters HAMBURG. In Gewerkschaftskreisen hieß es am Donnerstag, Personalvorstand Peter Hartz und Gesamtbetriebsratschef Klaus Volkert wollen demnach auf einer für Freitag in Wolfsburg anberaumten Pressekonferenz ankündigen, über welche Elemente des Tarif-Modells weiter verhandelt werden soll. "Das wird nur im Rahmen einer Betriebsvereinbarung möglich sein", hieß es in den Kreisen.

Damit bahnt sich eine Einigung auf Betriebsebene an, bei der die IG Metall zumindest öffentlich außen vor ist. Betriebsratschef Volkert, der selbst Mitglied der IG Metall ist, hatte sich nach dem Scheitern der Gespräche am vergangenen Montag erbost über die Rolle von Gewerkschaftschef Klaus Zwickel gezeigt. Zugleich waren der Betriebsrat in Wolfsburg und die Gewerkschaft in Hannover am Donnerstag bemüht, den Graben zwischen ihnen nicht zu tief werden zu lassen. So wurde betont, dass der niedersächsische Bezirkschef der IG Metall, Hartmut Meine, in die geplanten Gespräche des Betriebsrats mit der Unternehmensleitung eingebunden werde. Dies solle bereits bei der Pressekonferenz am Freitag in Wolfsburg deutlich gemacht werden. "Da kommen wir auch drin vor", hieß es dazu in den Gewerkschaftskreisen.

Der niedersächsische Ministerpräsident Sigmar Gabriel (SPD) hatte sich nach dem Scheitern der Gespräche dafür eingesetzt, dass beide Seiten ihre Positionen noch einmal überdenken und einen zweiten Anlauf für eine Lösung versuchen. In den ARD-Tagesthemen am Mittwochabend hatte Gabriel gesagt, VW müsse ausloten, inwieweit das Unternehmen den Gewerkschaften entgegenkommen könne. Umgekehrt müsse die IG Metall den Eindruck vermeiden, "als ob es hier wirklich am Ende darauf hinausläuft, dass die Arbeitsplatzbesitzer - in Anführungszeichen - ihre Arbeitsplätze und ihre Rahmenbedingungen verteidigen, aber die Arbeitslosen im Stich lassen".

Volkswagen hatte 5 000 neue Arbeitsplätze mit einem einheitlichen Bruttolohn von 5 000 DM schaffen und damit die Produktion von zwei Modellen völlig neu organisieren wollen. Während VW dafür bis zu 42,5 Stunden in der Woche arbeiten lassen wollte, bestand die IG Metall auf einer 35-Stunden-Woche.

Der Betriebsrat strebt eine Lösung an, bei der zumindest der in Wolfsburg geplant Minivan auf Golf-Basis dennoch dort und nicht im Ausland gebaut wird, für den ursprünglich 3 500 Beschäftigte eingestellt werden sollten. Die weiteren 1 500 in Hannover geplanten Stellen sind damit offenbar vorerst vom Tisch. Auch ist nach Angaben aus Gewerkschaftskreisen noch offen, ob die in Wolfsburg ursprünglich geplante Beschäftigtenzahl auch eingestellt wird.

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