Tiefgreifende Restrukturierung
Metro baut Verlustbringer Extra um

Deutschlands größter Handelskonzern Metro hat eine tief greifende Restrukturierung seiner defizitären Supermarkt-Kette Extra eingeleitet. Die Ertragslage bei Extra solle deutlich verbessert werden, indem unter anderem die Anzahl der Geschäfte reduziert und der Verwaltungsbereich gestrafft wird.

Reuters DÜSSELDORF. Metro werde die Zahl seiner Extra-Märkte von derzeit 491 auf rund 400 Märkte reduzieren, teilte der Handelskonzern am Freitag mit. "Diese Maßnahmen werden mittelfristig zu einer deutlich verbesserten Ergebnissituation führen." Etwa 20 Extra-Märkte sollten in die "Real"-Warenhäuser eingegliedert werden. Bis zu 70 weitere Märkte sollen an Franchise-Unternehmer abgegeben werden, die derzeit bereits unter dem Namen Bolle und Comet firmieren. Zudem würden etwa 20 Extra-Märkte "sukzessive verwertet". Ob ein Verkauf dieser Geschäfte gelingt, ist angesichts des Flächenüberhanges im Lebensmitteleinzelhandel nach Einschätzung von Branchenexperten ungewiss.

Die Metro-Aktie legte zum Wochenschluss in einem festeren Gesamtmarkt über sieben Prozent auf 22,33 ? zu.

Als weitere Maßnahme sollen wichtige Verwaltungsstrukturen gestrafft werden. "Zentrale Bereiche wie Controlling, Rechnungswesen und Revision werden künftig mit den entsprechenden Bereichen von Real zusammengelegt," kündigte Metro mit. Zudem werde die Regionalstruktur von Extra vereinfacht und der von Real angeglichen. Allein aus dieser Straffung im Verwaltungsbereich ergebe sich eine Einsparung im niedrigen zweistelligen Millionen-Euro-Bereich, hieß es. Auch im Vertrieb und im Sortiment von Extra soll radikal umgebaut werden. Das Frischesortiment und der Non-Food-Bereich sollen ausgebaut werden. Wie viele Arbeitsplätze durch die Restrukturierung wegfallen, teilte Metro nicht mit. "Derzeit prüfen wir das, eine Entscheidung ist noch nicht gefallen", sagte ein Sprecher.

Einen Zeitplan für die Maßnahmen nannte Metro nicht. "Die Maßnahmen werden zügig umgesetzt", sagte der Sprecher. Der Aufsichtsrat und der Betriebsrat hätten schon grünes Licht dafür gegeben.

Metro-Chef Hans-Joachim Körber hatte jüngst mehrfach deutlich gemacht, dass die Extra-Supermärkte und auch die Praktiker-Baumärkte im nächsten Jahr bessere Geschäftszahlen vorlegen müssen als 2002. "Die Optionen sind Verkauf, Verbesserung der Gewinnspanne oder Zerschlagung in Einzelteile" hatte Körber Ende Februar mit Blick auf Extra und Praktiker angekündigt.

Wie lange die beiden defizitären Sparten noch Gnade vor den Augen Körbers finden, darüber spekuliert die Branche schon länger. Ein Verkauf gilt allerdings als schlechteste Möglichkeit, da in der aktuellen Marktschwäche nur ein geringer Preis erzielt werden dürfte und außerdem Skaleneffekte verloren gingen.

Die beiden Sorgenkinder des Konzerns hatten verhindert, dass Metro 2002 ein besseres Ergebnis erzielte, als angesichts seines hohen Auslandsanteils von rund 46 % sonst möglich gewesen wäre. Fast die Hälfte seines Umsatzes von 51,5 Mrd. ? verbuchte Metro im vergangenen Jahr in seiner weltweit erfolgreichen Großhandelssparte Cash & Carry. Auf die Extra-Märkte entfielen nur 2,8 Mrd. ? oder 5,5 % des Gesamtumsatzes. Im Jahr zuvor hatte Extra noch 3,0 Mrd. ? umgesetzt. Gravierender allerdings fiel bei Extra mit 47 (Vorjahr minus 14) Mill. ? der Anstieg des operativen Verlusts (Ebit) aus. Zweiter Verlustbringer im Konzern ist Praktiker mit einem Minus von 41 (Vorjahr: minus zehn) Mill. ? und einem Umsatzanteil von fünf Prozent.

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