Tiefrote Telekom-Zahlen
Sihler als Krisenmanager gefordert

Eine so düstere Bilanz musste Telekom-Chef Helmut Sihler in seinem Wirtschaftsleben noch nie verkaufen: Beim Düsseldorfer Waschmittelriesen Henkel präsentierte er stets schäumende Gewinne, nun sind es als Interimschef bei Europas größtem Telekom-Konzern tiefrote Zahlen.

HB/dpa BONN. Doch von Resignation war bei Sihler, der vor fünf Wochen Ron Sommer abgelöst hatte, heute nichts zu spüren: Die ungewohnte Rolle als Krisenmanager bereite ihm große Freude. Müsse er nicht wie vereinbart zum Jahresende den Schreibtisch in Bonn wieder räumen, "wäre es der Beginn einer schönen Beziehung", sagte der 72-Jährige.

Seinen Vorgänger Sommer erwähnte Sihler zunächst mit keinem Wort. Er blicke nach vorne, wolle die Ereignisse von Mitte Juli nicht kommentieren, wich er kritischen Nachfragen nach den Hintergründen des Rücktritts des Ex-Telekom-Chefs aus. Damals hatte Sommer wegen des dramatisch gefallen Kurses der T-Aktie und auf massiven Druck der Bundesregierung das Handtuch geworfen. Schließlich gab Sihler noch die Information preis, er verdiene deutlich weniger als sein Vorgänger. Sommer soll 2,5 Millionen Euro jährlich bekommen haben.

"Ich stelle nicht die Frage, was ich anders mache", sagte Sihler. Viele Mitarbeiter im Konzern, die Sihler wegen seines Alters als Notlösung skeptisch beurteilt hatten, seien mittlerweile beeindruckt von der Glaubwürdigkeit und der Vitalität des erfahrenen Managers, ist aus Unternehmenskreisen zu hören. Diesen Eindruck wollte der agile Vorstandschef auch den Journalisten vermitteln: "Ich betreibe weder Schwarzmalerei noch Schönfärberei". Die Lage der Telekom sei ernst, aber "wir stehen nicht vor einer Krise".

Porschefahrer Sihler scheint fest entschlossen, mit hohem Tempo die drückenden Telekom-Probleme anzugehen und seinem Nachfolger eine schlüssige Strategie zu hinterlassen. Die Suche nach einem geeigneten Kandidaten hat der Österreicher gemeinsam mit einem Weggefährten aus alten Henkel-Zeiten zur Chefsache erklärt. Aufsichtsratschef Hans-Dietrich Winkhaus, wie Sihler früherer Vorsitzender der Henkel-Geschäftsführung, soll möglichst schnell ein Schwergewicht aus der deutschen Wirtschaft finden. "Wir stehen unter Zeitdruck, das gebe ich zu", sagte Sihler.

Denn die Liste der Absagen wird immer länger: Ex-Mannesmann-Chef Klaus Esser hat abgewunken, auch der frühere Bertelsmann-Boss Thomas Middelhoff scheint kein Interesse zu haben. Branchenkenner gehen davon aus, dass vor der Bundestagswahl und einem möglichen Regierungswechsel ein potenzieller Kandidat ohnehin nicht aus der Deckung kommt. Denn ein neuer Vorstandschef bräuchte grünes Licht vom Bund. Und der hat als Großaktionär mit rund 43 Prozent bei der Telekom immer noch das Sagen.

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