Tiefrote Zahlen bei Infineon
Kommentar: Die Krise ist noch nicht vorbei

Noch vor einem Jahr strahlte Infineon-Chef Ulrich Schumacher: Er konnte einen Rekordgewinn von 1,7 Mrd. Euro präsentieren. Das große Geschäft mit den kleinen Chips lief blendend. Der Münchener Chipkonzern war der Liebling der Börsianer. Heute, nur zwölf Monate später, hat sich das Bild grundlegend gewandelt.

Schumacher meldet einen Verlust von gut einer Mrd. Euro. Dazu kommt, dass sich der Auftragseingang mehr als halbiert hat, und die Investionen deutlich gekürzt werden mussten. Das ist kein gutes Zeichen für Zukunft.

Infineon hat wie die gesamte Halbleiter-Branche mit der bisher schwersten Krise zu kämpfen. Die Preise sind tief im Keller. Überkapazitäten lasten auf dem Markt. Der koreanische Samsung-Konzern drückt die Preise immer tiefer, um die Konkurrenz auszubooten. Und Hynix, der ebenfalls in Korea beheimatete Chiphersteller, steht zwar kurz vor dem Aus, wird von der Regierung aber künstlich am Leben gehalten. Der Rest der Branche versucht über die Runde zu kommen.

Dabei ist die Krise noch lange nicht vorbei. Infineon etwa plant in seinem schlimmsten Szenarien mit einer Stagnation der Speicherpreise auf dem derzeit niedrigen Niveau. Ein Aufschwung zeichnet sich nicht ab. Schlimmer noch: Auch die Auto- und Industrieelektronik, bisher noch ein stabiles Geschäft für die Chiphersteller, beginnt jetzt zu schwächeln. Ein endgültiger Absturz der Weltkonjunktur könnte weitere ernste Probleme bringen.

Dazu kommt: Infineon hat mit einem hausgemachten Problem zu kämpfen. Der Siemens-Konzern hat die Tochter beim Börsengang im März 2000 mit zu wenig Eigenkapital in die neue Freiheit entlassen. Eigentlich sollte Infineon im Boom ein Finanzpolster sammeln. Doch die nächste Krise kam schnell und unerwartet. Deshalb steht der Chipkonzern jetzt mit viel zu wenig Kapital fröstelnd im eisigen Wind der Chipkrise.

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