Tiefster Durchschnitt seit der Wiedervereinigung
Deutsche machen weniger Überstunden

Erstmals seit einem halben Jahrzehnt ist die Zahl der bezahlten Überstunden in Deutschland wegen der Konjunkturflaute und der zunehmenden Verbreitung von Arbeitszeitkonten wieder gesunken.

HB/dpa NÜRNBERG. Mit 46,7 Stunden erreichte durchschnittliche Zahl der Mehrarbeit pro Arbeitnehmer den niedrigsten Stand seit der Wiedervereinigung, berichtete das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) am Montag. Das der Bundesanstalt für Arbeit angegliederte Institut bestätigte damit einen entsprechenden Bericht der Tageszeitung "Die Welt" (Montagsausgabe).

Insgesamt hatten deutsche Arbeitnehmer im Jahr 2002 rund 1,614 Milliarden bezahlte Überstunden geleistet. Das waren 4,3 Prozent weniger als im Jahr 2001. Pro Kalenderwoche arbeitete jeder Beschäftigte 1,09 Stunden mehr als vertraglich vereinbart. 1995 hatte dieser Wert nach IAB-Angaben noch bei 1,23 Stunden gelegen. Für das laufende Jahr erwarten die IAB-Wissenschaftler ein nahezu konstantes Gesamtvolumen von 1,613 Milliarden Überstunden.

Der stellvertretende Leiter des Instituts, Ulich Walwei, machte für den Rückgang hauptsächlich die schwache Konjunktur verantwortlich. "Angesichts knapper Aufträge spielen Überstunden keine so große Rolle mehr", sagte der Arbeitsmarktforscher. "Überstunden sind daher einer der wichtigsten Konjunktur-Indikatoren", unterstrich Wallwei. Daneben wirke sich aber auch die verstärkte Einrichtung von Arbeitszeitkonten aus, mit denen sich Auftragsspitzen ohne Überstunden abfedern ließen, gab er zu bedenken.

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