Tiefster Stand seit Anfang 1997
Dax findet einfach keinen Boden

Auf Grund schlechter Unternehmensnachrichten und schwacher Konjunkturaussichten hat der Deutsche Aktienindex (Dax) am Mittwoch die Talfahrt der vergangenen Tage fortgesetzt und ist dabei auf den tiefsten Stand seit Anfang 1997 gefallen. Besonders unter Druck standen dabei die Technologie- und Finanzwerte.

HB FRANKFURT. Der Dax fiel bis zum Nachmittag um 4,9 % auf 3 128 Zähler. Damit hat er im Vergleich zum Jahreshoch von 5467,31 Punkten vom März knapp 42 % an Wert eingebüßt und sich schlechter entwickelt als die übrigen europäischen Indizes. Die Marktkapitalisierung der im Dax gelisteten Unternehmen verringerte sich um insgesamt rund 317 Mrd. ?, was etwa dem Bruttoinlandsprodukt Polens entspricht.

Technologiewerte wurden Börsianern zufolge vom zurückhaltenden Ausblick des US-Softwarekonzerns Oracle und Finanzaktien von der Ankündigung eines Gewinnrückgangs bei der US-Großbank JP Morgan belastet. "Das Umfeld ist derzeit nicht gut", sagte ein Aktienhändler. Es bleibe die politische Unsicherheit in der Irak-Frage und die Sorge vor einem Rückfall der Konjunktur in die Rezession. Uwe Wagner, Analyst der Deutschen Bank, ergänzte, das Chartbild des Dax sehe sehr kritisch aus. "Es gibt keine sinnvollen Unterstützungslinien mehr - und die Abwärtsdynamik ist beachtlich." Vor dem Hintergrund des dreifachen Verfalls an der Terminbörse Eurex am Freitag sei eventuell auch die Marke von 3 000 Punkten nicht mehr zu halten.

Das fürchtet auch Klaus Tafferner, technischer Analyst von Concord Effecten. Mit dem Bruch der Unterstützung bei 8 217 Punkte habe der Dow gestern die Weichen neu gestellt, und zwar nach unten. Anleger sollten sich darauf einstellen, dass der Dow Jones den Dax in den kommenden Tagen stark belasten könnte. Die Talfahrt könnte dabei erst deutlich unter 3 000 Punkten ein Ende finden.

Am Neuen Markt sank der Auswahlindex Nemax 50 um 3,8 % auf 400 Punkte. Zeitweise hatte er noch stärker im Minus gelegen und die 400-Punkte-Marke deutlich unterschritten. Der Nebenwerte-Index MDax lag indes 4,3 % im Minus bei 2 975 Stellen.

Technologie- und Finanzwerte stark unter Druck

Die Aktien von SAP verloren 4,7 % auf 55,30 ?. Die schwachen Geschäftszahlen und der trübe Ausblick des US-Konkurrenten Oracle nährten Sorgen, dass SAP seine Geschäftsziele für das Gesamtjahr verfehlen werde, sagten Börsianer.

Noch größere Verluste verbuchten mit einem Minus von 11,3 % auf 9,70 ? jedoch die Titel von Epcos. Da die Produktpalette des Herstellers von Passiv-Bauelementen so breit gefächert sei, reagierten die Papiere so sensibel auf die konjunkturelle Entwicklung, sagte der Analyst Michael Bahlmann von MM Warburg.

Unter den Finanzwerten standen Münchener Rück und Hypo-Vereinsbank (HVM) mit einem Minus von 8,8 % auf 137,80 ? beziehungsweise knapp acht Prozent auf 17,40 ? ganz oben auf der Verliererliste. "Alle schwachen Bankwerte folgen der Nachricht von J.P. Morgan. Das ist eine große amerikanische Bank und keine gute Nachricht für den Sektor", sagte ein Marktteilnehmer.

Schwache Branchenaussichten belasten MAN

Auch der MAN-Kurs kam kräftig unter die Räder. Schwache Aussichten für die Nutzfahrzeug-Konjunktur belasteten Analysten zufolge die Aktien. Das Unterschreiten der Unterstützungslinie bei etwa 18 ? habe dann zusätzliche Verkäufe ausgelöst. Die Papiere verloren bis zum Nachmittag mehr als neun Prozent auf 16,50 ?.

Auf Grund der zurückhaltenden Prognosen der Unternehmen auf der Internationalen Automobil Ausstellung (IAA) Nutzfahrzeuge habe die Unterstützungslinie für die MAN-Aktie, die auf dem Niveau der Tiefststände von 1996, 1997 und 2001 handele, diesmal nicht gehalten, teilte der Analyst Erhard Schmitt von Helaba Trust in einer Kurzstudie mit. Es sei angesichts der trüben Branchenaussichten fraglich, ob die eingeleiteten Sparmaßnahmen bei MAN für eine deutliche Ergebnisverbesserung ausreichten. Große Nutzfahrzeughersteller hatten im Rahmen der IAA Nutzfahrzeuge bekannt gegeben, sie rechneten auch für das kommende Jahr nicht mit einer Belebung des Geschäfts. MAN hatte gleichzeitig den Termin für das Erreichen der Gewinnschwelle in seiner Bus-Sparte auf 2004 von zuvor 2003 verschoben.

Am Mittwoch wurden fast doppelt so viele MAN-Aktien gehandelt wie im Durchschnitt der vergangenen 90 Tage. Seit Monatsbeginn hat das Papier knapp 14 % an Wert und das Unternehmen etwa 620 Mill. ? an Marktkapitalisierung eingebüßt.

Gildemeister rutscht nach Dividendenspekulationen ab

Im MDax brachen die Aktien von Gildemeister um 17,4 % auf 4,13 ? ein. Der Werkzeugmaschinenbauer erwägt eine Reduzierung oder gar Streichung der Dividende für das Geschäftsjahr 2002.

Die Aktien von Porsche verbilligten sich zwar um 3,7 % auf 450 ?, entwickelten sich damit aber besser als der Durchschnitt. Die Branchenindizes für die deutschen und europäischen Autobauer verloren 5,3 beziehungsweise 4,7 %. Der Sportwagenhersteller hatte zuvor mitgeteilt, Gewinn und Umsatz im vergangenen Geschäftsjahr gesteigert zu haben.

Die Aktien von Borussia Dortmund (BVB) stürzten bei stark überdurchschnittlichen Umsätzen zeitweise um 23 % auf drei Euro ab. Der Fußball-Bundesligist hatte am Vortag sein Champions-League-Auswärtsspiel gegen Arsenal London 0:2 verloren.

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