Tiere stammen aus den Niederlanden
Neuer Schweinefleisch-Skandal

Wenige Wochen nach dem Skandal um das giftige Pflanzenschutzmittel Nitrofen sorgen Wachstumshormone in der Schweinemast für neue Verunsicherung der Verbraucher. Seit Mai wurden knapp 7000 mit dem Hormon MPA (Medroxy-Progesteron-Azetat) belastete Schlachtschweine aus den Niederlanden nach Deutschland verkauft, teilte das Verbraucherschutzministerium am Freitag in Berlin mit.

dpa BERLIN/DEN HAAG. 5686 Tiere seien nach Nordrhein-Westfalen, 1064 nach Niedersachsen und 230 nach Rheinland-Pfalz geliefert worden. Am Vortag waren die Behörden noch von rund 2200 hormonell behandelten Schweinen ausgegangen.

Die Tiere stammen aus einem Betrieb in den Niederlanden, in dem Hormon belastetes Futtermittel verfüttert worden war. Das Landwirtschaftsministerium in Den Haag lässt 42 verdächtige Schweinemästereien überwachen. Eine Spur führt nach Belgien. Das Bundesinstitut für Verbraucherschutz und Veterinärmedizin in Berlin rechnet auf Grund geringer Rückstände allerdings nicht mit einer Gesundheitsgefährdung.

30 bis 35 Tonnen Futtermittel mit Hormonen versetzt

Bereits Ende Juni hätten die niederländischen Behörden darauf hingewiesen, dass in einem Schweinezuchtbetrieb Fruchtbarkeitsstörungen aufgetreten waren, sagte eine Sprecherin des Verbraucherschutzministeriums in Berlin. Zunächst hieß es, dass Tiere aus diesem Betrieb nach Belgien verkauft worden seien. Am Donnerstag war bekannt geworden, dass ein Betrieb in Niedersachsen zwischen 30 und 35 Tonnen mit einem Hormon versetztes Futtermittel aus den Niederlanden erhalten hatten. Der Betrieb wurde gesperrt.

Nach Angaben von Nordrhein-Westfalens Verbraucherschutzministerin Bärbel Höhn (Grüne) sind die Verarbeitungswege des verseuchten Schweinefleisches nicht mehr eindeutig nachzuvollziehen. Im ARD - Morgenmagazin sagte sie, man könne zwar durch die Schlachtlisten nachzeichnen, wie viele Schweine zu welchem Datum und auf welchem Schlachthof geschlachtet worden seien. Das Problem sei aber, dass nach der Schlachtung das Fleisch mit dem von anderen Tieren vermischt werde. Ferner sei davon auszugehen, dass der größte Teil des aus den Niederlanden stammenden Fleisches bereits an der Ladentheke gelandet oder verzehrt sei.

In Rheinland-Pfalz sind nach Informationen des dortigen Umweltministeriums 230 Schweine am 6. Mai aus den Niederlanden importiert und anschließend sofort verarbeitet worden. Der betroffene Schlachthof liefere seine Fleischwaren weit über die Landesgrenzen hinaus. Es sei kaum nachzuvollziehen, wohin das Fleisch gelangt sei.

29 Betriebe unter Aufsicht gestellt

Nach Angaben des niederländischen Agrarministeriums dürfen die jetzt bewachten Mästereien keine Tiere mehr zur Schlachtung schicken oder exportieren, wenn nicht belegt ist, dass ihr Fleisch frei von Hormonen ist. Das Ministerium hatte zunächst 29 Betriebe unter Aufsicht gestellt, nachdem in Schweine-Breifutter MPA entdeckt worden war. Die belgische Lebensmittelaufsicht teilte mit, dass die Firma Bioland im nordbelgischen Arendonk mit dem Hormon belasteten Glucosesirup geliefert habe, das für Schweinefutter verwendet wurde. Inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft. Bioland hat nach Presseberichten einen niederländischen Eigentümer und ist in der Zwischenzeit Pleite gegangen.

Das synthetisch hergestellte Hormon MPA gilt in der Tierzucht als Wachstumsförderer. Es unterdrückt den Sexualzyklus und wird in der Humanmedizin unter anderem bei Beschwerden in den Wechseljahren, zur unterstützenden Behandlung von Brustkrebs und in seltenen Fällen zur Schwangerschaftsverhütung eingesetzt. In Deutschland darf es nicht bei Tieren verwendet werden, die zum Verzehr bestimmt sind.

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