Tierfutterzusätze
Millionen-Bußgeld für Degussa

Die EU-Kommission hat gegen den Chemiekonzern Degussa wegen illegaler Preisabsprachen ein Bußgeld von 118 Millionen Euro verhängt.

dpa BRÜSSEL.Der Chemiekonzern Degussa muss wegen illegaler Preisabsprachen ein EU-Bußgeld von 118 Millionen Euro zahlen.

Degussa war mit den Konkurrenten Aventis und Nippon Soda fast dreizehn Jahre lang an einem Kartell für den Futterzusatzstoff Methionin beteiligt, befand die Kommission am Dienstag nach dreijährigen Ermittlungen in Straßburg.

Der japanische Konzern Nippon Soda kam auf ein Strafgeld von neun Millionen Euro. Das deutsch-französische Unternehmen Aventis, das aus der Fusion von Hoechst und Rhone-Poulenc entstanden war, muss kein Strafgeld zahlen, da es das Kartell in Brüssel angezeigt hatte und dann als "Kronzeuge" aufgetreten war.

EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti erklärte: "Das Verhalten von Aventis, Degussa und Nippon Soda zeugt von völliger Missachtung der Kunden und letztlich der Hühner- und Schweinefleischkonsumenten, die für die betreffenden Erzeugnisse einen höheren Preis zahlen mussten als bei gesundem Wettbewerb zwischen den Unternehmen."

Das Kartell vereinbarte nach Feststellung der Kommission bis 1999 auf der Ebene von Chefs und Managern Preisziele, setzte Preiserhöhungen durch und tauschte Marktinformationen über die Aminosäure Methionin aus.

Diese wird als Zusatzstoff für das Futter von Küken, Schweinen und Schafen empfohlen. Die Aminosäure wird nicht vom Körper selbst gebildet, sondern muss durch die Nahrung aufgenommen werden. Aminosäuren sind Grundbestandteile aller Eiweiße. Degussa ist der weltweit größte Hersteller dieser Substanz.

"Rabatt" von 25 Prozent

"Die meisten Informationen von Degussa wurden nicht freiwillig erteilt", resümierte die Kommission. Der Konzern habe auch bestritten, vor Mitte 1992 und nach 1997 an dem Kartell beteiligt gewesen zu sein. Da Degussa aber auch mit der Kommission zusammenarbeitete, gab es auf das Bußgeld einen "Rabatt" von 25 Prozent. Degussa hat die Möglichkeit, beim Europäischen Gerichtshof gegen die Entscheidung Brüssels zu klagen.

Es ist nicht das erste Mal, dass Brüssel in der Chemiebranche vorgeht. Im vergangenen Jahr verhängte die EU-Kommission gegen acht Vitiminhersteller ein Bußgeld von insgesamt 855,22 Millionen Euro wegen illegaler Preisabsprachen. Dies war bisher das höchste EU-Kartellbußgeld überhaupt. Aventis musste damals ein vergleichsweise geringes Bußgeld von 5,04 Millionen Euro zahlen.

Degussa mit einem Umsatz von knapp 13 Milliarden Euro im vergangenen Jahr ist der weltgrößte Spezialchemie-Konzern. Der Jahresüberschuss 2001 betrug 421 Millionen Euro. Das Unternehmen gehört derzeit noch zur E.On-Gruppe, soll aber bis Mai 2004 vom Kohlekonzern RAG übernommen werden. Das Übernahmeangebot von RAG ist an die Bedingung geknüpft, dass E.On bei Ruhrgas zum Zuge kommt.

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