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Tierplagen in Washington: Nach den Zikaden nun «Schlangenköpfe»

Washington (dpa) - Tiere attackieren Washington derzeit nicht nur aus der Luft, sondern nun auch zu Wasser. Nachdem seit gut einer Woche zahlreiche Schwärme von Zikaden Parks und Gärten in Besitz genommen haben und bereits unzählige tote Insekten Wege und Straßen bedecken, schlagen nun die Wasserschutzbehörden Alarm.

Räuberische «snakeheads», aus Südasien importierte Schlangenkopffische, die sogar über Land laufen und meterhoch springen können, bedrohen die fischreichen Gewässer des Potomac, der durch Washington fließt.

Die Milliarden Zikaden, die alle 17 Jahre die US-Hauptstadt und einige US-Bundesstaaten heimsuchen, sind im Grunde harmlos. Vielen ist das laute, nächtliche Zirpen lästig oder gar unheimlich, andere ekeln sich vor den Massen krabbelnder und unsicher fliegender, rotäugiger und doch fast blinder Insekten. Die vier seit dem 7. Mai im Potomac gefangenen Schlangenkopffische bereiten Behörden und Umweltschützern, Wissenschaftlern und Fischern hingegen größere Sorgen.

Sollte, wie befürchtet, die «snakehead»-Population rasant ansteigen, wären «zahlreiche andere Fischarten bedroht», meinte Steve Minkkinen von der Maryland-Fischerei-Behörde in der «Washington Post». Im Nachbarstaat Virginia wurde inzwischen eine «Snakehead»- Sonderkommission gebildet.

Seit dem vergangenen Wochenende werden die bis zu einem Meter langen Raubfische steckbrieflich gesucht: «Haben Sie diesen Fisch gesehen? Lassen Sie ihn nicht wieder frei, töten Sie ihn mit einem Messer... oder durch Einfrieren», wird auf Plakaten mit dem farbigen Porträt des Raubfisches gefordert. Da «keine effiziente Methode gegen die Ausbreitung des Fisches bekannt ist» (so Minkkinen), setzen die Behörden vor allem auf die vielen tausend Angler.

Die bisherigen Erfahrungen in den USA im Kampf gegen den «snakehead» sind gemischt. In dem großen Crofton-Weiher in Maryland waren vor zwei Jahren 10 ausgewachsene Schlangenkopffische gefunden worden, aber bereits 1000 Jungfische. Mit Gift wurden die Fische, die bereits anderen Fischarten deutlich dezimiert hatten, ausgerottet. Das ist bei einem fließenden Gewässer, wie dem im Mündungsbereich mehrere Kilometer breiten Potomac, nicht möglich. Damit aber sind nach Angaben der Behörden auch die US-weit größten Bestände der Forellen- und Felsenbarsche gefährdet.

In Florida allerdings haben sich die Schlangenkopffische Medienberichten zufolge relativ friedlich integriert. Tausende der asiatischen Fische sollen in Seen und Kanälen leben, ohne dass dies gravierende Folgen für einheimische Arten gehabt habe.

Wie die Fische, deren Einfuhr, nicht aber deren Haltung verboten ist, einst nach Washington gelangten, ist bekannt. Ein Mann hatte sie vor einigen Jahren in einem New Yorker Tiergeschäft gekauft, um aus ihnen eine chinesische Fischsuppe zu machen. Allerdings warf er sie dann einfach in ein Gewässer.

Die US-Naturschutzverband Audubon forderte am Montag ein Bundesgesetz, dass nicht einheimische Tierarten aus amerikanischen Gewässern verbannen soll. Noch ist aber unklar, ob es sich bei den vier im Potomac gefangenen «snakeheads» um die ersten Exemplare einer rasch wachsenden Fisch-Population handelt oder um zufällig entdeckte, «weggeworfene» Fische. Alle vier bisher im Potomac erwischten Schlangenkopffische waren aber etwa 40 Zentimeter lang - das könnte nach Ansicht der Fachleute darauf schließen lassen, dass sie aus einem Laich stammen. Ein einziges Schlangenkopffisch-Weibchen kann bis zu 15 000 Eier haben.

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