Tierschutzbund kritisert Viehtransporte
Experten uneins über Seuchengefahr in Deutschland

Die Gefahr eines Übergreifens der Maul- und Klauenseuche auf Deutschland ist unter Experten umstritten.

ap FRANKFURT. Die Gefahr eines Übergreifens der Maul- und Klauenseuche auf Deutschland ist unter Experten umstritten. Nach der Sperrung eines hessischen Schlachthofes zur Abwehr der Krankheit stufte die Tierseuchenexpertin im hessischen Sozialministerium, Andrea Escher, am Freitag das Seuchenrisiko als "sehr gering" ein. Der niedersächsische Landwirtschaftsminister Uwe Bartels erklärte dagegen, die Gefahr sei weiterhin groß. Der Bundesverband praktischer Tierärzte warnte, es sei "sehr riskant, zum jetzigen Zeitpunkt zu entwarnen".

Am Donnerstag war bekannt geworden, dass ein südhessischer Betrieb gesperrt worden war, auf dem rund 400 Schafe gehalten wurden, die von einem von der Seuche betroffenen britischen Hof stammten. Die Tiere wurden nach Angaben des hessischen Sozialministeriums Mitte Februar vor Ausbruch der Seuche exportiert und inzwischen alle getötet. Das Ministerium wollte keine Angaben über Art und Ort des Betriebes machen. Laut "Wiesbadener Kurier" soll er an der Bergstraße liegen, die "Bild"-Zeitung sprach von einem Hof im Kreis Heppenheim.

Im Hessischen Rundfunk sagte Escher: "Das Risiko, das von dem möglicherweise bereits verzehrten Schaffleisch für den Menschen ausgeht, ist gleich Null." Es müsse nun lediglich sicher gestellt werden, dass dieses Fleisch auf keinen Fall mit Klauentieren in Berührung komme. Deshalb sei es notwendig, den Weg, den dieses Fleisch genommen habe, nachzuvollziehen. "Sollten wir noch etwas finden, würden wir es sicherheitshalber beschlagnahmen." Dies sei allerdings eine "reine Vorsichtsmaßnahme".

Niedersachsens Landwirtschaftsminister Bartels sagte am Donnerstagabend in der ZDF-Sendung "Berlin Mitte", er wolle nicht von Entwarnung reden, auch wenn die Untersuchungsergebnisse für die Schweine in Niedersachsen alle negativ seien. "Wir wissen, das Virus ist in Großbritannien in einer Dimension vorhanden, die bei uns in der Region massiv Angst verbreitet, weil wir natürlich ein sehr viehdichtes Land sind in Niedersachsen." Deshalb müssten weiterhin alle Vorsorgemaßnahmen getroffen werden, um ein Überschwappen der Seuche auf den Kontinent zu verhindern.

Tierärzte warnen vor Verharmlosung

In einem offenen Brief an Landwirtschaftsministerin Renate Künast erklärte der Bundesverband praktischer Tierärzte, bisher seien in Deutschland "effiziente und konsequente Schutzmaßnahmen" ergriffen worden. In Großbritannien baue sich aber durch fortschreitende Virusvermehrung ein enormer Infektionsdruck auf, so dass es für eine Entwarnung in Deutschland zu früh sei. Der Verband forderte deshalb eine "Aufrechterhaltung der höchsten Alarmstufe und Vermeidung von Verharmlosungen in der Öffentlichkeit". Auch der Personenverkehr aus Drittländern müsse bezüglich der Mitführung von Lebensmitteln konsequent und effizient kontrolliert werden, in der Gastronomie sollten Kontrollen der Speiserestentsorgung eingeführt werden.

Der Deutsche Tierschutzbund erneuerte im Zusammenhang mit der Maul- und Klauenseuche seine Kritik an Tiertransporten. "Die europaweiten Tiertransporte bedeuten, dass sich Krankheiten wie zum Beispiel Schweinepest oder Maul- und Klauenseuche explosionsartig über ganze Kontinente ausbreiten", schrieb Präsident Wolfgang Apel in einem Gastbeitrag für den Kölner "Express" (Freitagausgabe). Er forderte die sofortige Umkehr zur regional orientierten Landwirtschaft.

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