Timesharing kommt meistens teuer zu stehen
Time-Sharing: Geteilte Zeit, volles Leid

So sehr sich auch seriöse Timesharing-Firmen bemühen: Betrüger prägen nach wie vor das Bild der Szene. Die Liste der Opfer wird von Jahr zu Jahr länger.

Wir brauchen Tiger - keine Lämmer". So beschreibt ein Timesharing-Vermittler seinen Verkaufs-Leitfaden. Was dabei herauskommt, wenn Verkäufer nach Lektüre solcher Leitfäden glauben, sie könnten innerhalb von zehn Jahren "bestimmt mehr als drei Millionen DM verdienen", müssen dann Verbraucher ausbaden.

In Deutschland locken die Bauernfänger ihre Opfer mit angeblichen Gewinnen bei Preisausschreiben in ihre Verkaufsräume. In den Urlaubszentren unter südlicher Sonne machen Drückerkolonnen die Strandpromenaden unsicher. Besonders begehrte Opfer sind dabei bleichgesichtige Neuankömmlinge. Denn wenn diese nach zwei oder drei Wochen Urlaub wieder zu Hause ihre Koffer auspacken, ist die Widerrufsfrist vorbei. Als Lockangebot dienen häufig Rubbellose. Jedes Los gewinnt - oft die Einladung zu einer Party, inklusive Taxi-Transfer und Gratis-Drinks. Dort angekommen, bearbeitet dann in lockerer Atmosphäre eine der Rhetorik-Kanonen des Vermittlers den Gast möglichst so lange, bis er unterschreibt - und verliert. Und zwar zwischen 3 000 und 20 000 Euro. So viel kostet das Recht, die Urlaubsimmobilie für eine Woche im Jahr zu nutzen, je nach Lage und Ausstattung von Ferienanlage und Wohnung sowie der vereinbarten Urlaubszeit.

Nutzungsrechte für Urlaubsmöglichkeiten

Verkauft werden, ob ehrlich oder betrügerisch, drei verschiedene Grundformen. Vereinsähnlich organisiert, erwirbt der Timesharer seine Nutzungsrechte für eine bestimmte Zeit. Bei den auf Aktien basierenden Systemen werden Anrechte quasi an Stelle von Dividenden ausgegeben. Je mehr Aktien, desto größer sind die Urlaubsmöglichkeiten. Ein Punktesystem funktioniert ähnlich. Ein höherer Einsatz bringt mehr Punkte. Und die sind in der Hauptsaison am schnellsten weg.

Die in vielen europäischen Ländern nach EU-Richtlinie verabschiedeten Timesharing-Gesetze haben den Betrügern nicht das Handwerk gelegt. Andreas Schomerus, auf Timesharing spezialisierter deutscher Anwalt in Spanien, bestätigt: "Die einen machen Verträge, als ob es das Gesetz überhaupt nicht gäbe. Andere verkaufen so genannte "Urlaubspläne" oder "Urlaubspakete" mit zwei Jahren Laufzeit und versuchen so das Gesetz zu unterlaufen, das erst für Verträge ab drei Jahre gilt. Wieder andere verkaufen Mitgliedschaften in Punkte-Clubs. Käufer wissen dann oft nicht einmal, wo sie die einlösen können."

Und wem der europäische Markt zu heiß ist, der verkauft außerhalb der EU. "Der größte Unfug wird in der Dominikanischen Republik veranstaltet", sagt Wolfgang Sommerfeldt, Rechtsanwalt bei der Deutschen und Schweizerischen Schutzgemeinschaft für Auslandsgrundbesitz (Schutzgemeinschaft), fest. Sommerfeldts Fazit: "Finger weg von Timesharing, egal wie gut es sich anhört."

Wer sich daran hält, braucht auch keine Tauschbörse mehr. Denn bei denen tummeln sich schwarze Schafe. "Dass eine Anlage einer der beiden großen Tauschbörsen angeschlossen ist, garantiert nicht, dass Vertreiber und Betreiber seriös arbeiten", warnt Dariusz Kogut, Herausgeber des "Timesharemagazins" (s. "Rat und Hilfe"). Die beiden Großen sind RCI und Interval International (II), Mitglieder im Deutschen Bundesverband für Teilzeitwohnrechte e.V. Doch wer oder was zwingt sie, von Drückertrupps eingereichte Mitgliedsanträge anzunehmen? Es kann nur der Blick auf Umsatz und Gewinn sein. Eine nicht zusammen mit dem Rechteerwerb abgeschlossene Mitgliedschaft für drei Jahre kostet bei beiden rund 250 Euro jährlich. Ein erfolgreicher Tausch schlägt in Europa mit 116 Euro (II) bzw. 120 Euro (RCI) zu Buche. Newcomer Dial-an-Exchange verzichtet auf Mitgliedsgebühren.

Die miesen Methoden mancher Timesharing-Firmen vergraulen die bereits angeworbene Kundschaft. "Wohl gut die Hälfte aller Timesharer will aus ihrem Vertrag heraus, und zwar so schnell wie möglich", hat die Schutzvereinigung für Timesharing und Wohnrechtsinhaber recherchiert. Ein gefundenes Fressen für betrügerische Wiederverkäufer. Als die Staatsanwaltschaft Düsseldorf kürzlich ihre Schwerpunktermittlungen gegen dubiose Timesharing-Unternehmen abschloss, richteten sich die eingeleiteten Strafverfahren überwiegend gegen Wiederverkäufer.

"Die Firmen haben das Blaue vom Himmel herunter gelogen", sagt Staatsanwältin Daniela Zweigle. Eine typische Masche beschreibt Beate Wagner, Timesharing-Expertin der Verbraucherzentrale NRW: "Den Timesharern wird vorgegaukelt, es gäbe bereits einen Käufer." Eine phantasievollere Variante kam Kogut zu Ohren: "Dem Kunden wurde versprochen, das Wohnrecht verkaufen zu können, sobald es ins Grundbuch eingetragen worden sei. Dafür wurden 3 000 Euro Vorkasse verlangt." Dabei sollte der Rechteinhaber ohnehin im Grundbuch stehen, wenn es kein auf Aktien oder Punkten basiertes System ist. In den von Zweigle betreuten Verfahren wurden in der Regel 250 bis 350 Euro vorab kassiert. Das Schlimme: "Darunter waren Kunden, die Firmen drei- und viermal auf den Leim gingen", so Zweigle und warnt: "niemals im Voraus bezahlen."

Unzufriedene Timesharer werden auch noch anders über den Tisch gezogen. "Bei Erwerb neuer Wohnrechte wird häufig die Inzahlungnahme der alten Anrechte versprochen, aber praktisch nie gehalten", erzählt Kogut.

Viele Menschen kommt Timesharing teuer zu stehen, weil sie auf Betrüger reinfallen. Ob es aber auch sonst billiger ist als andere Reiseformen ist, hängt davon ab, wie man rechnet. Bei der Musterrechnung von "timesharemagazin"-Herausgeber Kogut gewinnt der Timesharer, bei der Schutzgemeinschaft legt er drauf. Kogut nimmt nachteilige Ergebnisse mit Humor: "Zu einem Rolls-Royce-Besitzer sagt auch keiner: Fahr VW!" Timesharing-Interessenten hilft nur eines: Selber rechnen, sonst vergeht ihnen hinterher womöglich das Lachen ganz.

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